Bundesliga-Spieltag 17: Wenn Fussball-Götter würfeln

Das Glücksrad dreht sich weiter in der Bundesliga

Noch nicht alle Spiele des 17. Spieltags sind gespielt, aber schon jetzt zeigt sich: Die Bundesliga bleibt ein Paradies für Statistik-Liebhaber und ein Alptraum für Wahrscheinlichkeitsrechner. Während manche Teams mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks ihre Expected Goals in Punkte umwandeln, scheinen andere mit verbundenen Augen durch die Saison zu taumeln – und werden trotzdem belohnt.

Spiel der Woche: Hoffenheim macht's wie in der guten alten Zeit

TSG Hoffenheim 5:1 Borussia Mönchengladbach

In der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena ereignete sich am 17. Spieltag etwas, was man nur noch aus Märchenbüchern kennt: Ein Team, das deutlich mehr Expected Goals (2.32) hatte als der Gegner (1.03), gewann auch deutlich – und zwar gleich mit 5:1! Die TSG Hoffenheim führte vor, was in dieser Saison zur Seltenheit geworden ist: die seltene Kunst, aus guten Chancen auch tatsächlich Tore zu machen.

Der 1. FSV Mainz 05 hätte sich das Szenario genau angeschaut, denn dort läuft es völlig anders. Mit einem xG-Unterschied von nur 0.04 gegen den 1. FC Heidenheim hätte das Spiel in jede Richtung kippen können – am Ende siegten die Mainzer trotzdem mit 2:1 und sicherten sich drei Punkte, obwohl sie statistisch gesehen nur einen Expected Point verdient hätten.

Glückspilz des Spieltags: Mainz mit dem goldenen Händchen

Der 1. FSV Mainz 05 führt die Glückspilz-Liste dieser Runde an und zeigt, wie man aus einer eigentlich ausgeglichenen Partie (xG-Differenz von nur 0.04) drei Punkte mitnimmt. Gegen den 1. FC Heidenheim hätten sie statistisch nur einen Expected Point verdient, gingen aber mit dem vollen Dreier nach Hause.

Das ist symptomatisch für die gesamte Mainzer Saison: Mit 22 realen Punkten stehen sie vier Zähler schlechter da als ihre Expected Points (26) vermuten lassen würden. Ein klassischer Fall von „normalerweise müssten sie besser stehen", nur dass sie an diesem Spieltag mal auf der anderen Seite der Medaille landeten.

xG-Opfer: Heidenheim kann einem leidtun

Der 1. FC Heidenheim ist das Paradebeispiel dafür, dass Fussball manchmal einfach unfair ist. Gegen den 1. FSV Mainz 05 verloren sie trotz nahezu identischer Expected Goals (1.54 zu 1.58) mit 1:2 und gingen leer aus, obwohl sie statistisch einen Punkt verdient hätten.

Mit nur 14 realen Punkten bei 20 Expected Points sind die Heidenheimer die grössten Pechvögel der Liga. Sechs Punkte Differenz – das ist der Unterschied zwischen Abstiegskampf und entspanntem Mittelfeld. Wer sagt nochmal, dass sich Qualität immer durchsetzt?

Ehrliche Tabellenlage: Die grosse Umverteilung

In der xP-Tabelle würde der FC Bayern München zwar immer noch führen, aber mit nur 7 Punkten Vorsprung statt der komfortablen Führung in der realen Tabelle. Die wahren Gewinner der „Glücks-Umverteilung" sind Borussia Dortmund (+16.5 Punkte) und die TSG Hoffenheim (+15 Punkte) – beide Teams sammeln fleissig Punkte, die sie statistisch nicht verdient haben.

Auf der anderen Seite würde Werder Bremen in einer gerechten Welt mit 28 Expected Points im gesicherten Mittelfeld stehen, anstatt mit nur 19 realen Punkten um den Klassenerhalt zu bangen. Der 1. FC Union Berlin (+2.5 xP) und der FC St. Pauli (+4.5 xP) sind weitere Kandidaten für die „Wir-hätten-es-besser-verdient"-Fraktion.

Ausblick: Warten auf das grosse Erwachen

Das noch ausstehende Montagsspiel wird die Bilanz des 17. Spieltags komplettieren, aber die Tendenz ist klar: Die Bundesliga bleibt ein Ort, wo Wahrscheinlichkeiten täglich neu verhandelt werden.

Die spannende Frage für die Rückrunde: Können Teams wie Borussia Dortmund und die TSG Hoffenheim ihr Glück konservieren, oder holt sie die statistische Realität ein? Und schaffen es die Pechvögel wie Werder Bremen und der 1. FC Heidenheim noch, ihre verdiente Punkteausbeute einzufahren?

In einer Liga, wo ein Team wie der 1. FSV Mainz 05 an einem Spieltag das Glück für sich entscheiden kann, während es die restliche Saison unter seinen Möglichkeiten bleibt, ist jedenfalls alles möglich. Die Fussball-Götter würfeln weiter – und wir schauen gespannt zu.