Wenn Statistiken Tränen weinen könnten
Am 22. Spieltag der Bundesliga waren die Expected Goals mal wieder so verlässlich wie ein Wetterbericht für das Wochenende: theoretisch fundiert, praktisch oft völlig daneben. Während manche Teams ihre Chancen verwerteten wie Mario Götze 2014 im WM-Finale, bekamen andere eine Lehrstunde in Sachen "Fußball ist halt unberechenbar". Ein Spieltag, der einmal mehr bewies: Die schönste xG-Statistik nützt nichts, wenn der Ball partout nicht ins Tor will.
Das Spiel der Woche: RB Leipzig lässt 1,77 xG liegen
In der Kategorie "Wie versemmelt man einen sicheren Sieg" führt RB Leipzig mit ihrem 2:2 gegen den VfL Wolfsburg das Feld deutlich an. Die Sachsen kreierten Chancen für stolze 2,78 xG, während Wolfsburg gerade mal auf 1,01 xG kam – eine Diskrepanz von 1,77 xG, die größte des gesamten Spieltags. Doch statt eines verdienten Sieges gab es nur einen Punkt, während die Wölfe mit der Effizienz einer schwäbischen Hausfrau ihre wenigen Gelegenheiten nutzten. Man könnte fast Mitleid mit Leipzig haben, wären da nicht die vielen anderen Teams, die regelmäßig ähnlich bitter enttäuscht werden.
Glückspilz des Spieltags: Dreierpack der Fortune
Gleich drei Teams teilten sich am 22. Spieltag den Titel des größten Glückspilzes: der FC Augsburg, Stuttgart und Eintracht Frankfurt heimsten alle drei Punkte ein, obwohl sie laut Expected Points nur einen verdient hätten (Delta: +2). Besonders pikant: Augsburg gewann gegen den 1. FC Heidenheim mit 1:0, obwohl die Gäste sogar leicht bessere xG-Werte (1,48 vs. 1,39) aufwiesen. Manchmal ist Fußball eben doch nur Glückssache – und die WWK Arena war diesmal der perfekte Ort für ein kleines Wunder.
xG-Opfer: RB Leipzig und das Pech der Tüchtigen
Mit -1,5 im Delta zwischen realen Punkten und Expected Points war RB Leipzig nicht nur das größte xG-Opfer des Spieltags, sondern auch ein Paradebeispiel für die Unberechenbarkeit des Fußballs. Während andere Teams mit weniger Aufwand mehr Ertrag erzielten, mussten die Leipziger erleben, wie ihre statistisch überlegene Leistung nur mit einem mageren Punkt belohnt wurde. Dahinter folgen Werder Bremen und der 1. FC Union Berlin (beide -1,0), die ebenfalls beweisen mussten, dass Expected Points am Ende des Tages nicht in die Tabelle eingetragen werden.
Ehrliche Tabellenlage: Die Liga der großen Illusion
Ein Blick auf die ehrliche Tabelle offenbart das ganze Drama der aktuellen Saison: Der FC Bayern München führt zwar verdient beide Tabellen an, aber dahinter herrscht das pure Chaos. Borussia Dortmund thront auf Platz 2 der offiziellen Tabelle, gehört laut xP-Werten aber nur auf Rang 4 – ein Glücks-Delta von sagenhaften +16,5 Punkten! Noch krasser: Die TSG Hoffenheim steht aktuell auf Platz 3, verdiente sich aber nur 31 statt 46 Punkte (+15,0).
Am anderen Ende der Ehrlichkeitsskala leidet Werder Bremen unter einem Drama biblischen Ausmaßes: 19 Punkte in der Realität, aber 28 xP sprechen eine andere Sprache (-9,0). Auch der FC St. Pauli (-4,5) und der 1. FC Heidenheim (-6,0) können ein Lied vom Pech singen, während sich Teams wie Augsburg (+2,5) oder der Hamburger SV (+3,5) über unverhoffte Geschenke freuen dürfen.
Ausblick: Das Glück ist ein Vogerl
Nach diesem wilden Ritt durch die Welt der Expected Goals und unerwarteten Ergebnisse bleibt nur zu hoffen, dass sich am nächsten Spieltag das Glück etwas gleichmäßiger verteilt. Die ehrliche Tabelle zeigt deutlich: Diese Liga ist weit entfernt von dem, was die Leistungen eigentlich hergeben würden. Besonders spannend wird es für Teams wie Bremen oder St. Pauli, die dringend darauf angewiesen sind, dass ihre soliden xG-Werte endlich auch in Punkte umgemünzt werden. Auf der anderen Seite leben Hoffenheim und Dortmund gefährlich – irgendwann fordert Fortuna ihre Schulden ein. Und dann wird's richtig interessant in der Bundesliga.