Ballermann im Signal-Iduna-Park: Wenn Dortmund den xG-Bausatz neu erfindet

Der 31. Spieltag war eine Werkstatt für Wundertäter und ein Friedhof für Pechvögel. Während Borussia Dortmund mit 1,66 xG vier Tore fabrizierte und damit die Gesetze der Fußball-Physik neu schrieb, mussten andere Teams erleben, wie ihre Expected Goals zu bitterer Enttäuschung mutierten.

Spiel der Woche: Kölns Herzschmerz-Theater im RheinEnergieStadion

Das Drama des Spieltags fand nicht in Dortmund statt, sondern in Köln. Der 1. FC Köln produzierte mit 2,61 xG ein statistisches Meisterwerk – und verlor trotzdem 1:2 gegen Bayer Leverkusen (0,96 xG). Diese Diskrepanz von 1,65 xG ist fast so schmerzhaft wie die Erkenntnis, dass Leverkusen mit einem Drittel der erwarteten Tore das Spiel gewann. Während die Kölner ihre Chancen wie Konfetti verschleuderten, verwandelte Leverkusen ihre wenigen Möglichkeiten mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. So funktioniert Fußball-Alchemie: Wenig rein, viel raus, drei Punkte mit nach Hause.

Glückspilz des Spieltags: Leverkusen und Bayern teilen sich den Zauberhut

Mit jeweils 2,5 Punkten mehr als ihre xP-Werte (0,5) vermuten lassen, haben sich Bayer Leverkusen und der FC Bayern München den Titel als Glückspilze des Spieltags redlich geteilt. Bayern gewann 4:3 in Mainz, obwohl die Rheinhessen mit 2,21 xG die besseren Chancen hatten (1,58 xG für Bayern). Beide Teams bewiesen: Manchmal ist Effizienz wichtiger als Dominanz. Während andere Teams ihre Statistiker verzweifeln lassen, sammeln diese Pragmatiker stillschweigend Punkte wie andere Briefmarken.

xG-Opfer: Mainz und Köln erleben den Albtraum aller Statistiker

Der 1. FSV Mainz 05 und der 1. FC Köln teilten sich das bittere Schicksal: Beide holten null Punkte trotz jeweils 2,5 erwarteter Punkte. Das ist, als würde man mit fünf Assen im Poker verlieren. Mainz führte gegen Bayern lange Zeit, musste aber zusehen, wie die Münchner mit vier Toren aus 1,58 xG die Mathematik verhöhnten. Köln erlebte ähnliches Leid gegen Leverkusen. Beide Teams können sich trösten: In einer ehrlichen Welt hätten sie mindestens einen Punkt verdient. Aber der Fußball ist bekanntlich kein Ponyhof, sondern ein Zirkus der Ungerechtigkeiten.

Ehrliche Tabellenlage: Bayern thronen, Dortmund schwebt gefährlich

Die offizielle Tabelle zeigt Bayern München mit komfortablen 82 Punkten an der Spitze, doch die ehrliche Tabelle (69 xP) verrät: Dieser Vorsprung basiert zu einem großen Teil auf 13 Glückspunkten. Noch dramatischer ist Borussia Dortmunds Situation. Platz 2 in der Realität, aber nur Platz 5 in der xP-Tabelle – 20 Glückspunkte halten den BVB über Wasser. In der ehrlichen Rangfolge würden RB Leipzig, Stuttgart und Leverkusen vor Dortmund stehen.

Am anderen Ende der Tabelle zeigt sich Werder Bremen als tragischer Held der Saison: Platz 12 mit nur 32 Punkten, aber 42,5 xP sprechen für Platz 7 in einer gerechten Welt. Der SC Freiburg profitiert hingegen von 6,5 Glückspunkten und würde ehrlich betrachtet vier Plätze tiefer stehen.

Ausblick: Die letzten drei Runden werden zur Wahrheitsfindung

Mit nur noch drei Spieltagen bis zum Saisonende wird es eng für alle Glückspilze. Bayern München kann sich ihre 13 Glückspunkte noch leisten, aber Borussia Dortmund schwebt mit 20 Phantompunkten gefährlich. Sollte das Glück wenden, könnte der Kampf um die Champions League-Plätze noch dramatisch werden. Die TSG Hoffenheim (12,5 Glückspunkte) und der SC Freiburg (6,5 Glückspunkte) sollten ebenfalls nicht zu früh jubeln.

Werder Bremen hingegen darf hoffen: Sollten die Expected Goals endlich zur Realität werden, wären die Grün-Weißen noch nicht abgeschrieben. Die Statistik spricht jedenfalls eine klare Sprache: Der Fußball-Gott schuldet Bremen noch einige Favoritenergebnisse.