Sechs Tore, null Erklärungen: Leipzig schreibt Geschichte, die xG-Statistik widerspricht
Manchmal spielt der Fussball einfach nicht mit. Am 5. Spieltag der Bundesliga gab es ein 6:0, das aussieht wie eine Machtdemonstration, aber laut Expected Goals eher wie ein Münzwurf war. Willkommen in der Welt, in der Zahlen und Ergebnisse sich nicht mehr grüssen.
Spiel der Woche
RB Leipzig gegen Eintracht Frankfurt, Endstand 6:0 in der Red Bull Arena. Klingt nach Gala, nach taktischer Zerstörung, nach einem Spiel zum Vergessen für die Frankfurter. Doch die xG-Zahlen erzählen eine völlig andere Geschichte: 2,22 zu 2,19 – ein Spiel, das laut Chancenbewertung praktisch ausgeglichen war. Sechs Tore aus einem erwarteten 2:2-Spiel zu machen, das ist nicht Fussball, das ist Alchemie. Frankfurt wird sich fragen, wie man ein Spiel verlieren kann, in dem man statistisch gesehen fast genauso gefährlich war wie der Gegner – und Leipzig wird einfach lächelnd die drei Punkte einstecken und sich nicht weiter mit Erklärungen aufhalten.
Erwähnenswert auch das Spektakel in Augsburg: Der FC Bayern München kam mit einem xG-Wert von 3,32 daher, als wolle man die WWK Arena standesgemäss abfertigen – und nahm am Ende doch nur einen müden Punkt mit nach Hause. Ein 2:2, das sich für die Münchner anfühlen muss wie eine verlorene Dividende.
Glückspilz des Spieltags
Gleich drei Teams teilen sich die Krone der Glücksritter: der 1. FC Köln, RB Leipzig und der Hamburger SV – alle mit einem Delta von +2 zwischen tatsächlichen Punkten und xPoints. Der 1. FC Köln gewann sein Spiel gegen Borussia M'gladbach mit 2:1, obwohl die xG-Werte (2,08 zu 1,90) ein knappes Spiel auf Augenhöhe suggerierten. Der Hamburger SV drehte in Hoffenheim ein Spiel, bei dem die Gastgeber eigentlich die leicht besseren Chancen hatten (1,86 zu 1,47 xG), und nahm trotzdem alle drei Punkte mit. Man könnte fast meinen, diese drei hätten sich vor dem Spieltag zu einem Glücksbringer-Ritual getroffen.
xG-Opfer
Hier wird es für die Dortmunder bitter: Borussia Dortmund und der FC Bayern München teilen sich den unrühmlichen Titel des Pechvogels, beide mit einem Delta von -1,5. Dortmund trennte sich im Signal Iduna Park 2:2 von Werder Bremen, obwohl die eigene xG von 2,69 deutlich über den 1,09 der Bremer lag. Ein Sieg, der eigentlich hätte Pflicht sein müssen, verpuffte zu einem Remis. Noch bitterer trifft es den SC Paderborn, der zuhause gegen Stuttgart mit 0:2 verlor, während die eigene xG (2,43) sogar höher war als die der Gäste (2,04). Chancen galore, Punkte null – das ist die Definition von Pech.
Ehrliche Tabellenlage
Die offizielle Tabelle führt der SC Freiburg mit 13 Punkten an, dicht gefolgt von Borussia Dortmund, ebenfalls mit 13 Zählern. Doch wirft man einen Blick auf die xP-Tabelle, sieht die Welt anders aus: Dort thront der FC Bayern München mit 12,5 xPoints, trotz "nur" 11 echten Punkten. Freiburg steht laut Chancenbewertung immer noch stark da (Platz 2), aber Dortmund fällt in der ehrlichen Tabelle auf Rang 6 zurück – die Diskrepanz von +4 zeigt, dass der BVB seine Position eher den Ergebnissen als der tatsächlichen Leistung verdankt.
Besonders auffällig: TSG Hoffenheim steht offiziell nur auf Platz 17, müsste laut xPoints aber eigentlich auf Rang 5 rangieren – ein Delta von -6,5 ist der mit Abstand grösste Ausreisser der gesamten Liga. Auch Elversberg hat mit +4 Delta ordentlich Glück gehabt und steht deutlich besser da, als es die Chancenverwertung hergibt. Bayer Leverkusen dagegen wirkt in der echten Tabelle (Platz 4) fast schon bescheiden – die xP-Tabelle sieht die Werkself ebenfalls weit vorne, hier stimmt die Statistik größtenteils mit der Realität überein.
Ausblick
Mit neun von 34 Spieltagen gespielt, bleibt noch viel Zeit, dass sich die Spreu vom Weizen trennt – oder eben nicht. Teams wie Hoffenheim und Mainz, die laut xPoints deutlich besser dastehen sollten, dürften sich Hoffnung machen, dass sich ihr Pech bald in Punkte ummünzt. Auf der anderen Seite sollten Dortmund und Augsburg aufpassen: Wer über Monate von der Chancenverwertung lebt, bekommt irgendwann die Rechnung präsentiert. Der FC Bayern München hingegen wirkt wie eine tickende Zeitbombe in die richtige Richtung – wenn die Effizienz mal zur Qualität aufschliesst, könnte es für die Konkurrenz ungemütlich werden. Die nächsten Spieltage werden zeigen, ob die Tabelle der Wahrheit näherkommt – oder ob das Glück einfach weiter Regie führt.