Drei Siege, ein Taschenrechner, und der kollektive Gesichtsausdruck von Hoffenheim
Hook-Intro
Der 7. Spieltag der Bundesliga hat mal wieder bewiesen: Fussball ist kein Laborversuch, auch wenn die xG-Statistik das gerne hätte. Während sich drei Teams wie die Lottogewinner des Wochenendes fühlen dürfen, sitzt die TSG Hoffenheim mit der Quittung in der Hand da und fragt sich, warum 2,03 erspielte Expected Goals nicht automatisch in drei Punkte umgewandelt werden. Spoiler: Weil der Gegner trifft, wenn er muss, und man selbst nicht.
Spiel der Woche
Die klare Nummer eins in Sachen xG-Diskrepanz kommt aus Augsburg: Der FC Augsburg erspielte sich gegen den 1. FC Union Berlin sagenhafte 2,39 xG, Union kam auf müde 0,59 – und trotzdem trennte man sich 1:1 in der WWK Arena. Ein xG-Diff von 1,8 ist an diesem Spieltag ligaweit unerreicht, und für Augsburg muss sich das angefühlt haben, als hätte man einen Elfmeter verschossen, nachdem man den Ball schon im Netz zittern sah. Ein Punkt für die Fairness-Statistik, aber zwei Punkte zu wenig für die echte Tabelle.
Glückspilz des Spieltags
Gleich drei Teams teilen sich den Thron der Glücksritter mit einem Delta von +2: der FC Bayern München, Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach. Bayern gewann in Freiburg mit 3:1, obwohl die xG-Werte (1,98 zu 1,66) ein deutlich knapperes Spiel versprachen – aber wer hat schon ein Problem damit, Rekordmeister zu sein und trotzdem noch Glück zu haben? Werder Bremen drehte in Mainz ein 2:3, obwohl Mainz mit 2,36 zu 1,87 xG eigentlich vorne lag. Und Borussia Mönchengladbach gewann in Stuttgart mit 3:2, trotz 1,62 zu 1,76 xG im Nachteil. Drei Siege, die auf dem Papier mehr nach Wunschdenken als nach Chancenauswertung aussehen.
xG-Opfer
Der grösste Pechvogel ist diesmal nicht ganz eindeutig zu bestimmen, denn gleich zwei Teams teilen sich mit -1,5 das traurige Treppchen: der 1. FC Köln und der FC Augsburg. Köln kam gegen Schalke 04 trotz 1,63 zu 1,03 xG nur zu einem 0:0 – wer so dominant spielt und am Ende ohne Tor dasteht, hat jedes Recht, die Torwand im Training noch einmal genauer zu betrachten. Augsburg kennt das Gefühl, wie oben beschrieben, gleich doppelt. Knapp dahinter reiht sich Stuttgart mit -1 ein, das gegen Gladbach trotz xG-Vorteil (1,76 zu 1,62) als Verlierer vom Platz ging. Ein Spieltag für die Liga der enttäuschten Chancenverwerter.
Ehrliche Tabellenlage
Wer die offizielle Tabelle mit der xP-Tabelle vergleicht, erkennt schnell: Borussia Dortmund steht mit 17 Punkten offiziell auf Platz 2, nach xP (12,5) wäre das eher Rang 4 – ein Diff von +4,5 spricht für ordentlich Fortune. Noch krasser trifft es Elversberg: offiziell auf Platz 8 mit 10 Punkten, nach Expected Points aber nur 4 – macht einen Unterschied von +6 und den Titel "biggestWinner" dieser Saison. Am anderen Ende der Wahrheit leidet die TSG Hoffenheim: offiziell Rang 10 mit 9 Punkten, nach xP aber Rang 2 mit 14,5 Zählern. Ein Minus von 5,5 Punkten, das schmerzt – Hoffenheim spielt eigentlich Champions-League-Fussball und steht da wie ein Mittelmass-Team. Auch Werder Bremen (+3,5) und der Hamburger SV (+4,5) dürfen sich offiziell über mehr Tabellenplätze freuen, als ihre Leistung hergibt.
Einzig der FC Bayern München und der SC Freiburg stehen in beiden Tabellen stabil an der Spitze – da passt die Realität tatsächlich mal zur Statistik. Eine echte Seltenheit in diesen chaotischen Zeiten.
Ausblick
Mit neun von neun Spielen komplett absolviert gibt es diesmal keine Ausreden, keine Montagsspiele, die noch fehlen – ein sauberer Spieltag für die Statistiknerds. Die spannende Frage für den nächsten Spieltag: Kann Hoffenheim seine xG-Dominanz endlich in Punkte ummünzen, oder bleibt die TSG der ewige moralische Sieger ohne Siegprämie? Und hält Elversberg sein Luftschloss noch ein paar Wochen länger aufrecht, bevor die Statistik gnadenlos Rechnung präsentiert? Bei Bayern hingegen dürfte sich bald die Frage stellen, ob Dominanz auf dem Papier irgendwann auch wieder Dominanz auf dem Platz bedeutet – aktuell reicht offenbar auch die Hälfte davon.