Elversberg spielt Monopoly, der Rest zahlt Miete

Hook-Intro

Es gibt Spieltage, an denen man als Statistiker einfach die Hände hebt und murmelt: "Okay, ihr habt gewonnen, Fußballgötter." Der 8. Spieltag der Bundesliga war so einer. Während die offizielle Tabelle munter weiterlügt, zeigt die xP-Tabelle ein völlig anderes Bild – allen voran bei einem Aufsteiger, der gerade dabei ist, das Spiel mit Brettspiel-Logik zu kapern. Neun Partien, neun kleine Dramen, und am Ende des Tages steht fest: Glück ist der wahre MVP dieser Saison.

Spiel der Woche

Die höchste xG-Diskrepanz des Spieltags liefert ausgerechnet die Partie zwischen Schalke 04 und RB Leipzig in der VELTINS-Arena. 0,64 zu 2,23 erwartete Tore – ein Wert, der eigentlich schon vor Anpfiff hätte Warnsignale senden müssen. Am Ende gewann RB Leipzig standesgemäß 2:0, und die Statistik nickt zustimmend: Hier passte die Realität ausnahmsweise mal zur Erwartung. Fast schon langweilig ehrlich in einem Spieltag voller Verzerrungen.

Spannender wird es bei Bayer Leverkusen gegen Stuttgart: 2,64 zu 1,63 xG für die Leverkusener – und trotzdem verlässt Stuttgart die BayArena mit einem 4:2-Sieg im Gepäck. Eine xG-Differenz von 1,01 zugunsten der Hausherren, die am Ende komplett ignoriert wurde. Das ist Fußball in seiner schönsten, grausamsten Form.

Glückspilz des Spieltags

Die Krone der Glücksritter geht an Stuttgart, das mit gerade einmal 0,5 erwarteten Punkten in die Partie gegen Leverkusen ging und sie mit vollen drei Zählern verließ – ein Delta von +2,5. Dicht dahinter tummeln sich gleich zwei weitere Lottogewinner: Werder Bremen und der SC Freiburg, beide mit einem Delta von +2,0.

Doch wer wirklich die Saison-Lotterie geknackt hat, sitzt in Spiesen-Elversberg. Mit offiziell 13 Punkten, aber nur 5 erwarteten Zählern, führt der SV 07 Elversberg die Liste der "biggest Winner" der gesamten Saison an – ein Vorsprung von satten 8 Punkten auf die ehrliche Realität. Man könnte fast meinen, die URSAPHARM-Arena an der Kaiserlinde hätte eine geheime Glücksbringer-Klausel im Mietvertrag.

xG-Opfer

Auf der anderen Seite der Medaille steht Bayer Leverkusen – und zwar gleich doppelt bestraft. Das Team ging mit 2,5 erwarteten Punkten ins Spiel gegen Stuttgart und kam mit null heraus. Ein Delta von -2,5, das selbst hartgesottene Fans an der Fairness des Universums zweifeln lässt.

Nicht viel besser erging es dem FC Bayern München und dem 1. FC Köln, beide mit einem Delta von -1,5. Der FC Bayern spielte gegen Borussia Dortmund ein Spiel, das laut xG (2,17 zu 1,41) eigentlich einen Sieg hätte bringen müssen – am Ende stand nur ein 2:2 und ein Punkt zu wenig auf dem Konto. Pech, das sich durch die gesamte Saison zieht: TSG Hoffenheim bleibt mit einem Delta von -6,5 der große Verlierer der Spielzeit, obwohl man an diesem Spieltag "nur" 1,71 xG gegen Werder Bremen auflegte und leer ausging.

Ehrliche Tabellenlage

Der Blick auf die xP-Tabelle offenbart das übliche Chaos. Der FC Bayern München thront zu Recht an der Spitze – hier stimmen Schein und Sein fast überein. Doch schon auf Platz zwei der ehrlichen Tabelle lauert eine Überraschung: TSG Hoffenheim, offiziell nur Zwölfter, müsste laut xP eigentlich auf Rang zwei parken. Ein Offenbarungseid für die Chancenverwertung dieses Teams.

Borussia Dortmund wiederum, offiziell Tabellenzweiter mit 18 Punkten, würde in der ehrlichen Welt nur auf Platz sechs mit 13 xPoints landen – fünf Punkte Differenz, die zeigen, dass Glück offenbar auch in Dortmund zur Vereinsphilosophie gehört. Noch krasser trifft es Elversberg: offiziell Siebter, ehrlich betrachtet aber nur Siebzehnter. Das ist nicht mehr "glücklich", das ist "muss einen Hufeisen-Vorrat im Vereinsheim haben".

Werder Bremen (offiziell 5., ehrlich 11.) und der Hamburger SV (offiziell 15., ehrlich 18.) runden das Bild der Scheinriesen ab. Auf der Gegenseite wartet Bayer Leverkusen geduldig auf Gerechtigkeit: offiziell nur Sechster, ehrlich aber Dritter.

Ausblick

Die große Frage für den nächsten Spieltag: Wie lange kann Elversberg die Fußballgötter noch milde stimmen? Acht Punkte Vorsprung auf die eigene Leistung sind statistisch gesehen ein Kartenhaus, das irgendwann zusammenfallen muss. Auch Borussia Dortmund und Werder Bremen sollten sich warm anziehen – die Regression zur Normalität klopft bereits an die Tür.

Für TSG Hoffenheim und Bayer Leverkusen gilt dagegen: Weiter so mit der Chancenproduktion, irgendwann muss der Ball doch mal reingehen. Die ehrliche Tabelle verspricht es jedenfalls. Ob der Fußball sich daran hält, ist eine andere Geschichte.