Der 9. Spieltag: Als das Glück dreimal doppelt schlug

Die Bundesliga im Rausch der Wahrscheinlichkeiten

Es gibt Spieltage, da zeigt sich der Fussball von seiner schönsten, unberechenbarsten Seite. Am 9. Spieltag der Bundesliga haben wir gleich drei Teams gesehen, die ihre Expected Points mal eben verdoppelten – eine statistische Rarität, die normalerweise höchstens einmal pro Runde vorkommt. Während die TSG Hoffenheim, RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach ihre Glückssträhne perfektionierten, schauten andere Teams in die Röhre und fragten sich, warum der Ball einfach nicht ins Tor wollte.

Spiel der Woche: Kölner Torfeuerwerk mit mathematischem Unterbau

Im RheinEnergieStadion lieferte der 1. FC Köln gegen den Hamburger SV das ehrlichste Spiel des Spieltags ab. Ein 4:1 für die Domstädter, das auch die xG-Werte mit 2,41 zu 1,3 unterstützen – hier siegte tatsächlich das bessere Team. Während ringsum die Fussball-Götter ihre Würfel warfen und wilde Ergebnisse produzierten, zeigten die Kölner, wie es aussieht, wenn Leistung und Resultat Hand in Hand gehen. Ein kleiner Lichtblick für alle, die noch an Gerechtigkeit im Fussball glauben.

Glückspilz des Spieltags: Hoffenheimer Houdini-Nummer

Die TSG Hoffenheim führt das Trio der Glücksritter an. In der VOLKSWAGEN ARENA siegten sie 3:2 gegen den VfL Wolfsburg – obwohl die Wölfe mit 1,45 zu 1,29 die besseren Chancen hatten. Nach xG hätte Hoffenheim nur einen Punkt verdient, kassierte aber dreimal so viele. Das ist der Stoff, aus dem Märchen gemacht werden – oder zumindest vorübergehende Tabellenplätze, die bei näherer Betrachtung etwas wackelig daherkommen.

Ähnlich zauberhaft agierten RB Leipzig (3:1 gegen Stuttgart bei ausgeglichener xG-Bilanz) und Borussia Mönchengladbach mit ihrer spektakulären 4:0-Gala beim FC St. Pauli – einem Ergebnis, das bei nahezu identischen Expected Goals (1,75 vs. 1,81) statistisch gesehen etwa so wahrscheinlich ist wie ein Blitzschlag beim Lotto-Gewinn.

xG-Opfer: Frankfurts und Mainz' Pechsträhne

Am anderen Ende der Glücksskala stehen gleich zwei Teams, die bitter enttäuscht in die Pause gehen müssen. Eintracht Frankfurt reiste mit 1,89 xG nach Heidenheim und musste sich dennoch mit einem 1:1 begnügen – die Voith-Arena wurde zum Bermuda-Dreieck ihrer Torchancen.

Parallel dazu erlebte der 1. FSV Mainz 05 zu Hause gegen Werder Bremen ein ähnliches Schicksal: 1,46 zu 0,78 bei den Expected Goals, aber am Ende stand es nur 1:1. Beide Teams können sich bei ihren Statistikern beschweren – die haben offenbar vergessen, der Mannschaft zu sagen, dass man Chancen auch verwerten muss.

Ehrliche Tabellenlage: Borussia Dortmund als Phantom-Spitzenreiter

Der Blick auf unsere ehrliche Tabelle offenbart einige pikante Details. Während der FC Bayern München sowohl offiziell als auch nach xP an der Spitze thront, ist Borussia Dortmund der große Illusionist der Liga: Platz 2 mit 52 Punkten, aber nur 35,5 Expected Points – eine Differenz von 16,5 Punkten, die selbst für BVB-Verhältnisse bemerkenswert ist.

Am anderen Extrem steht Werder Bremen als tragischer Held dieser Saison: Nur 19 echte Punkte bei 28 Expected Points. Die Bremer spielen Bundesliga-Fußball, bekommen aber Regionalliga-Ergebnisse – ein Schicksal, das jeden neutralen Beobachter zum Mitleid bewegt.

Besonders bitter: In der xP-Tabelle wären die Hanseaten Neunter und damit komfortabel im Mittelfeld. Stattdessen kämpfen sie real um den Klassenerhalt.

Ausblick: Wann platzt die Glücksblase?

Die Mathematik ist geduldig, aber unerbittlich. Teams wie Borussia Dortmund und die TSG Hoffenheim leben derzeit auf Pump – und irgendwann kommen die Expected Goals zur Abrechnung. Umgekehrt dürfen Werder Bremen und der FC St. Pauli (ebenfalls mit 4,5 Punkten unter ihrem xP-Wert) auf bessere Zeiten hoffen.

Der 10. Spieltag wird zeigen, ob sich die Statistik weiter über den Fussball lustig macht oder ob die Regression zum Mittelwert endlich zuschlägt. Eines ist sicher: In einer Liga, in der drei Teams gleichzeitig ihre Expected Points verdoppeln, ist alles möglich – auch das Gegenteil.