Sieben Punkte Vorsprung auf dem Papier, aber die Wahrheit trägt Weiß-Blau
Hook-Intro
Der erste Spieltag der neuen La-Liga-Saison ist gerade mal Geschichte, und schon zeigt sich: Die offizielle Tabelle lügt wie gedruckt. Der FC Barcelona thront ganz oben mit sechs Punkten – verdient hätte er laut xG gerade mal 3,5. Derweil steht Real Madrid zwar auch bei sechs Zählern, hätte aber tatsächlich fünf verdient. Und dann ist da noch Athletic Club, das komplett leer ausging, obwohl die Zahlen für drei Punkte gesprochen hätten. Willkommen zur Saison, in der wir wieder lernen müssen: Tabellenplatz und Spielverständnis sind zwei Paar Schuhe.
Spiel der Woche
Die Partie mit der brutalsten xG-Diskrepanz des Spieltags fand im Camp Nou statt, wo der FC Barcelona gegen Athletic Club nicht nur 2:0 gewann, sondern die Bilbaoer statistisch regelrecht überrollte: 2,54 zu 0,60 xG. Ein Unterschied von 1,94 – das ist keine knappe Kiste, das ist eine Demonstration. Athletic Club durfte immerhin froh sein, dass es "nur" zwei Gegentore gab, denn nach den Erwartungswerten hätte das Ergebnis auch deutlich höher ausfallen können. Für ein Team, das 1898 gegründet wurde und traditionell stolz auf seine Defensivarbeit ist, ein bitterer Auftakt.
Glückspilz des Spieltags
Die Krone des Spieltags-Lucky-Teams geht eindeutig an Real Betis. Drei Punkte beim 1:0-Auswärtssieg gegen den FC Valencia, dabei stand die xG-Uhr bei mickrigen 1,47 zu 1,56 – eigentlich hätte hier kaum jemand gewinnen sollen, statistisch gesehen war es sogar der FC Valencia, der leicht favorisiert war. Real Betis nimmt aus dem Estadio de Mestalla mit, was auf dem Papier eher einem Punktgewinn als einem vollen Erfolg entsprochen hätte. Delta von +2 – das ist die Art von Auftaktglück, mit der man sich einen ganzen Kaffee-Klatsch lang brüsten kann.
xG-Opfer
Auf der anderen Seite der Glücksskala wartet der FC Valencia mit null Punkten, obwohl die Erwartungswerte einen ganzen Zähler versprochen hätten. Das Estadio de Mestalla wurde am ersten Spieltag zur Enttäuschungshalle: mehr Ballbesitz in gefährlichen Zonen, mehr Torgefahr laut xG – und am Ende trotzdem mit leeren Händen dagestanden. Getafe CF und Rayo Vallecano gesellen sich mit jeweils -0,5 Delta dazu, aber der FC Valencia ist der klare Pechvogel dieses ersten Spieltags. Wenn das ein Omen für die Saison ist, dürfte es in Valencia früh nervös werden.
Ehrliche Tabellenlage
Wer die offizielle Tabelle mit der xP-Tabelle vergleicht, stößt auf spannende Verschiebungen. Der FC Barcelona führt offiziell mit sechs Punkten, fällt in der ehrlichen Rechnung aber auf Platz drei zurück – Real Madrid übernimmt dort die Spitze, komplett verdient mit 5 erwarteten Punkten aus sechs geholten. Noch auffälliger: Deportivo Alavés. Offiziell nur Fünfter mit vier Punkten, wäre laut xP eigentlich Tabellenzweiter – mit einem Delta von -1 hat der Verein aus Vitoria-Gasteiz sogar mehr verdient, als er bekommen hat. Ganz unten in der xP-Welt taucht Athletic Club plötzlich auf Platz neun auf, meilenweit entfernt von seinem offiziellen 19. Rang. Ein Klub, der spielerisch überzeugt, aber ergebnistechnisch bestraft wurde – bitterer geht's kaum zum Saisonstart.
Auch Sevilla FC (offiziell Dritter, xP-technisch nur Siebter) und Getafe CF (offiziell Neunter mit drei Punkten, aber xP nur 1,5) sollten sich warm anziehen: Wer die Fallhöhe zwischen Ergebnis und Leistung liebt, findet hier reichlich Diskussionsstoff für die nächsten Wochen.
Ausblick
Ein Spieltag, ein Bild: Wer oben steht, hat nicht zwangsläufig die beste Leistung gezeigt – und wer unten hängt, wurde teilweise schlicht bestraft für Chancenverwertung, die die Statistik anders bewertet. Der FC Barcelona wird seine Konvertierungsquote kaum ewig halten können, während Athletic Club und der FC Valencia hoffen dürfen, dass sich ihre xG-Überlegenheit bald auch in echten Punkten niederschlägt. Deportivo Alavés hat mit seinem couragierten 3:0 gegen Getafe CF gezeigt, dass mehr drin sein könnte, als die Buchmacher der Provinzklubs erwarten. Am zweiten Spieltag wird sich zeigen, ob das frühe Glück von Real Betis und dem FC Barcelona von Dauer ist – oder ob die Zahlen, wie so oft in dieser Liga, am Ende recht behalten.