La Liga am 12. Spieltag: Wenn Villarreal die Wahrheit verdreht
Die Kunst des schönen Scheins
Manchmal ist Fussball ein perfekter Spiegel unserer Zeit: Das, was wir sehen, ist nicht unbedingt das, was tatsächlich passiert. Am 12. Spieltag der La Liga haben gleich mehrere Teams bewiesen, dass man mit der richtigen Portion Glück aus wenig sehr viel machen kann – während andere dafür bestraft wurden, dass sie tatsächlich Fussball gespielt haben. Willkommen in einer Liga, in der die Expected Goals manchmal wie Wunschvorstellungen wirken.
Spiel der Woche: Mallorca gegen Getafe – Das Kopfkratz-Duell
Wer sich das Spiel zwischen dem RCD Mallorca und dem Getafe CF angeschaut hat, könnte verwirrt gewesen sein. Die Mallorquiner gewannen 1:0 – soweit, so normal. Doch die Expected Goals erzählen eine völlig andere Geschichte: Während der Gastgeber mit mickrigen 0.96 xG vor sich hin dümpelte, hämmerte Getafe mit 1.63 xG auf das Tor. Ein xG-Delta von 0.67 zugunsten der Verlierer macht dieses Spiel zum perfekten Beispiel dafür, warum Fussball manchmal einfach keinen Sinn ergibt.
Das Iberostar Estadi wurde zum Schauplatz eines statistischen Verbrechens: Getafe war das bessere Team, bekam aber null Punkte. Mallorca hingegen durfte sich über drei völlig unverdiente Zähler freuen. Manchmal ist Fussball eben doch nur ein Glücksspiel mit 22 Teilnehmern.
Glückspilz des Spieltags: Ein Dreifach-Jackpot
Gleich drei Teams teilen sich den Titel des grössten Glückspilzes: Der RCD Mallorca, der Villarreal CF und der Sevilla FC kassierten alle drei Punkte, obwohl sie laut Expected Points nur einen halben bis einen Punkt verdient hätten. Das Delta von 2.5 beziehungsweise 2.0 Punkten zeigt: Manchmal küsst Fortuna gleich mehrere Teams auf einmal.
Besonders pikant: Der Villarreal CF steht offiziell auf Platz 3 mit 51 Punkten, würde aber bei ehrlicher Betrachtung mit nur 27.5 xPoints auf Rang 13 stehen. Eine Differenz von 23.5 Punkten – das ist nicht mehr nur Glück, das ist schon fast Magie. Oder wie man in Villarreal sagen würde: "Taktische Brillanz".
xG-Opfer: Espanyol und Getafe – Die Pechvögel des Abends
Während andere im Glück schwelgten, hatten der RCD Espanyol und der Getafe CF das Pech gepachtet. Beide verliessen den Platz mit null Punkten, obwohl sie laut Expected Points jeweils 2.5 Zähler verdient hätten. Der Espanyol verlor zu Hause gegen Villarreal 0:2, obwohl er mit 1.67 xG gegenüber 0.95 xG der Gäste deutlich die besseren Chancen hatte.
Getafe erging es ähnlich: Auf Mallorca die besseren Chancen, aber am Ende mit leeren Händen. Beide Teams können sich bei ihren Torhütern bedanken – allerdings bei den falschen. Manchmal ist Fussball eben doch unfair.
Ehrliche Tabellenlage: Die grosse Verzerrung
Der Blick auf die ehrliche xP-Tabelle offenbart ein komplett anderes Bild der La Liga: Während der FC Barcelona und Real Madrid auch dort die ersten beiden Plätze belegen (wenn auch mit deutlich weniger Punkten), würde der Athletic Club als grösster Pechvogel der Liga (-11 Punkte Differenz) plötzlich auf Platz 4 stehen statt auf Rang 8.
Der Villarreal CF, offiziell Dritter, würde mit seinen 27.5 xPoints gerade mal Rang 13 belegen – eine Diskrepanz, die jeden Statistiker zum Weinen bringen würde. Auf der anderen Seite des Spektrums steht Real Betis auf Platz 5, obwohl sie bei ehrlicher Betrachtung nur Rang 8 verdient hätten.
Der Sevilla FC hingegen steht als leuchtendes Beispiel für perfekte Balance da: 29 Punkte in der Realität, 29.0 xPoints in der Statistik. Manchmal gibt es doch noch Gerechtigkeit auf dieser Welt.
Ausblick: Wenn die Wahrheit zurückkehrt
Die Mathematik ist gnadenlos: Was über 38 Spieltage zu viel Glück war, holt sich das Pech irgendwann zurück. Villarreal-Fans sollten sich warm anziehen – eine Differenz von 23.5 Punkten ist nicht nachhaltig. Irgendwann werden die Expected Goals zur Realität, und dann wird es ungemütlich.
Umgekehrt dürfen sich die Fans des Athletic Club freuen: Wer über die Saison hinweg 11 Punkte weniger hat, als er verdient, bei dem ist eine positive Trendwende nur eine Frage der Zeit. Die ehrliche Tabelle zeigt: San Mamés Barria könnte schon bald wieder jubeln.
Der nächste Spieltag wird zeigen, ob die Glücksspirale weitergeht oder ob die Expected Goals endlich ihre Rache nehmen. Eins ist sicher: In einer Liga, in der Statistik und Realität so weit auseinanderklaffen, ist alles möglich – auch die Wahrheit.