Wenn Pech zur Plage wird: La Liga am 17. Spieltag

Das Unglück hat einen Namen – und den trägt der Athletic Club

Manchmal ist Fußball einfach nur grausam. Da dominiert eine Mannschaft über 90 Minuten, kreiert Chance um Chance, und am Ende steht man trotzdem mit leeren Händen da. Der 17. Spieltag der La Liga war ein Paradebeispiel dafür, wie Expected Goals und tatsächliche Ergebnisse zwei völlig verschiedene Geschichten erzählen können. Während sich einige Teams über unverdiente Punkte freuen durften, mussten andere die schmerzhafte Lektion lernen, dass Fußball manchmal einfach ungerecht ist.

Spiel der Woche: Wenn Qualität auf Glück trifft

Im Estadio Manuel Martínez Valero erlebten die Zuschauer ein statistisches Kuriosum der besonderen Art. Der Elche CF besiegte Rayo Vallecano mit 4:0 – und das, obwohl die Gäste aus Madrid mit 2,0 xG sogar minimal mehr Qualität zeigten als die Hausherren (1,85 xG). Ein Resultat, das auf dem Papier völlig verrückt aussieht, in der Realität aber einmal mehr beweist: Effizienz schlägt Expected Goals.

Rayo Vallecano dürfte sich nach diesem Spiel fragen, was sie eigentlich falsch gemacht haben. Die Antwort ist einfach: Nichts – außer ihre Chancen zu vergeben und dem Gegner jede Möglichkeit zu gönnen. Elche hingegen zeigte Kaltschnäuzigkeit pur und verwandelte praktisch jeden halbwegs gefährlichen Moment in einen Treffer. So geht Fußball manchmal, auch wenn die xG-Modelle dabei Kopfschütteln.

Glückspilz des Spieltags: Dreifach-Jackpot für die Überraschungsmannschaften

Gleich drei Teams können sich als Gewinner der Glücksgötter fühlen. RCD Espanyol, Real Betis und Elche CF ergatterten jeweils drei Punkte, obwohl ihre Expected Points nur bei mageren einem Punkt lagen. Ein Delta von +2 Punkten – das ist schon bemerkenswert.

Besonders pikant: Der RCD Espanyol gewann im San Mamés Barria gegen den Athletic Club mit 2:1, obwohl die Basken mit 2,03 xG deutlich mehr Qualität zeigten als die Katalanen (1,2 xG). Manchmal reicht halt ein Quäntchen mehr Glück – und ein Torhüter, der seinen Kasten wie Fort Knox verteidigt.

xG-Opfer: Athletic Club und das Gesetz der großen Ungerechtigkeit

Wenn Pech einen Verein hätte, würde er vermutlich Athletic Club heißen. 2,03 xG gegen nur 1,2 für den Gegner, und trotzdem verloren? Das ist das Fußball-Äquivalent zu einem Lottoschein mit fünf richtigen Zahlen, der trotzdem nichts gewinnt. Mit -2,5 im matchday-Delta waren die Basken die größten Pechvögel des Spieltags.

Über die Saison betrachtet wird das Bild noch dramatischer: Athletic Club steht auf Platz 8 der offiziellen Tabelle, müsste aber bei 45 Expected Points eigentlich auf Platz 4 stehen – direkt hinter den Top-3. Elf Punkte Differenz zwischen Realität und Leistung, das ist schon beachtlich. Die Fans im San Mamés Barria können nur hoffen, dass sich das Glück irgendwann dreht.

Ehrliche Tabellenlage: Wenn die Wahrheit schmerzt

An der Spitze herrscht überraschende Ehrlichkeit: Sowohl FC Barcelona als auch Real Madrid führen beide Tabellen an, wobei beide Teams allerdings mit 6,5 bzw. 7,5 Punkten über ihren xP-Werten stehen. Die wahre Überraschung versteckt sich aber auf Platz 3 der offiziellen Tabelle.

Villarreal CF ist mit 23,5 Punkten über ihrem xP-Wert der absolute Glücksritter der Liga. 51 Punkte bei nur 27,5 Expected Points – das ist ein Verhältnis, das selbst eingefleischte Statistik-Skeptiker zum Staunen bringt. In der ehrlichen xP-Tabelle würde das Villarreal CF nur auf Platz 13 stehen, tatsächlich kämpfen sie um internationale Plätze. Chapeau!

Die größten Leidtragenden sind neben dem Athletic Club auch Real Sociedad (-4 Punkte) und überraschend Rayo Vallecano (-4,5 Punkte), die in der xP-Tabelle sogar auf Platz 9 stehen würden statt auf dem aktuellen 15. Rang.

Ausblick: Das Glück ist ein Vogerl

Die nächsten Spieltage werden zeigen, ob sich die statistischen Anomalien dieser Saison langsam ausgleichen. Villarreal CF dürfte mathematisch gesehen eine schwere Zeit bevorstehen – 23,5 Punkte Glück-Vorsprung sind selbst für spanische Verhältnisse ungewöhnlich hoch. Athletic Club hingegen kann eigentlich nur besser werden – schlechter geht's statistisch kaum noch.

Für FC Barcelona und Real Madrid gilt: Die Spitze beider Tabellen zu führen ist nie verkehrt, auch wenn beide Teams wissen dürften, dass ihre Leistungen allein möglicherweise nicht für den Titel reichen. In einer Liga, in der Glück und Pech so ungleich verteilt sind wie aktuell, kann aber alles passieren. Auch das gehört zur Faszination des Fußballs – manchmal gewinnt eben nicht der Bessere, sondern der Glücklichere.