Das Glück hat ein baskisches Herz: Real Betis und Osasuna tanzen auf der Wolke

Der 23. Spieltag der La Liga war eine Achterbahnfahrt der Emotionen – mit Gewinnern, die nicht hätten gewinnen sollen, und Verlierern, die eigentlich verdient hatten. Während der FC Barcelona seine Hausaufgaben im Camp Nou souverän erledigte, drehte das Schicksal an anderen Orten kräftig am Rad. Besonders bitter: Gleich zwei Teams kassierten die maximale Dosis Pech, während andere mit minimalem Aufwand maximale Belohnung einstrichen.

Spiel der Woche: Villarreal CF im xG-Paradoxon

Was im Estadio de la Cerámica geschah, spottet jeder Logik. Der Villarreal CF besiegte RCD Espanyol mit 4:1, obwohl die Expected Goals einen knappen Schlagabtausch auf Augenhöhe voraussagten: 1,02 xG für die Gastgeber, 0,94 für die Gäste. Eine xG-Differenz von lächerlichen 0,08 – und trotzdem drei Tore Unterschied im Endergebnis.

Das ist Fußball in seiner reinsten Form: Effizienz trifft auf Glück, und heraus kommt ein Resultat, das die Statistiker zum Weinen bringt. Villarreal sammelte damit weitere wertvolle Punkte in ihrem märchenhaften Saisonverlauf, bei dem sie bereits sagenhafte 23 Punkte über ihrem xP-Wert stehen – ein Rekordwert, der seinesgleichen sucht.

Glückspilz des Spieltags: Doppeltes Glück in Sevilla und Pamplona

Gleich zwei Teams teilen sich den Titel des Glückspilzes: Real Betis und CA Osasuna fuhren jeweils drei Punkte ein, obwohl ihre Expected Points bei bescheidenen 0,5 lagen. Das entspricht einem Delta von +2,5 – pures Glück in Tabellenform.

Besonders kurios: Real Betis gewann im Estadio Wanda Metropolitano gegen Atlético de Madrid, obwohl die Gastgeber mit 1,54 xG deutlich gefährlicher waren als die Andalusier mit ihren 0,87 xG. Manchmal reicht eben ein Schuss zur rechten Zeit am rechten Ort. Osasuna hingegen siegte auswärts gegen RC Celta de Vigo – ein Sieg, der nach den Leistungsdaten etwa so wahrscheinlich war wie ein Sechser im Lotto.

xG-Opfer: Das Madrider und galizische Pech-Duett

Die Medaille für das größte Pech teilen sich ebenfalls zwei Mannschaften: Atlético de Madrid und RC Celta de Vigo gingen trotz überlegener Leistungen mit leeren Händen nach Hause. Beide verzeichneten 2,5 Expected Points, kassierten aber null Zähler – ein Delta von -2,5, das schmerzt.

Besonders bitter für Celta: Mit 1,79 xG gegen Osasunas 1,04 xG hätten die Galicier eigentlich gewinnen müssen. Stattdessen unterlagen sie 1:2 und sammelten weitere Frustpunkte in einer Saison, die einfach nicht nach Plan läuft. Atlético erlebte im eigenen Stadion ein ähnliches Schicksal – viel Aufwand, null Ertrag.

Ehrliche Tabellenlage: Barcelona bleibt Barcelona, aber Villarreal lebt den Traum

An der Spitze ändert sich wenig: Der FC Barcelona führt sowohl die offizielle Tabelle (64 Punkte) als auch die xP-Tabelle (57 xP) an. Mit einem Glücksbonus von 7 Punkten stehen die Katalanen solide da – nicht übermäßig glücklich, aber auch nicht vom Pech verfolgt.

Das wahre Märchen schreibt aber Villarreal: Offiziell Vierter mit 51 Punkten, würden sie nach xP-Werten nur auf Platz 15 stehen. 23 Punkte Differenz – das ist nicht mehr Glück, das ist schon fast Magie. Auf der anderen Seite des Spektrums wartet Athletic Club geduldig: Aktuell nur Neunter, stünden die Basken nach ehrlicher Rechnung auf Platz vier. 10,5 Punkte Pech – das tut richtig weh.

Ausblick: Wenn sich das Pendel wieder dreht

Die Saison ist noch nicht vorbei, und irgendwann zahlt der Fußball-Gott seine Schulden zurück. Villarreal wird ihre Effizienz-Blase irgendwann platzen sehen, während Athletic Club hoffen darf, dass ihre überlegenen Leistungen endlich belohnt werden.

Für die kommenden Spieltage gilt: Wer auf Expected Goals vertraut, setzt auf Athletic Club, Real Sociedad und Rayo Vallecano. Wer weiterhin an Wunder glaubt, hält zu Villarreal und hofft, dass der Glücksrausch noch ein paar Wochen anhält. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen – und genau das macht La Liga so unberechenbar faszinierend.