Spaniens Lotterie-Liga: Wenn drei Teams gleichzeitig das grosse Los ziehen
Dreifach-Glück im Paralleluniversum
Am 27. Spieltag der La Liga hätte man meinen können, die Fussball-Götter hätten beschlossen, ihre Glücksmünzen gleichmäßig zu verteilen. Drei Teams – der Getafe CF, der Villarreal CF und der FC Barcelona – kassierten alle exakt zwei Punkte mehr als ihre xG-Werte hergaben. Ein statistisches Kuriosum, das zeigt: Manchmal ist Fussball eben doch nur eine Lotterie mit 22 Teilnehmern.
Während die einen mit einem Lächeln das Stadion verließen, schauten andere ratlos auf die Anzeigetafel. Denn wer am 27. Spieltag auf die Expected Goals vertraute, erlebte ein böses Erwachen.
Das Spiel der Woche: Espanyol im xG-Bermudadreieck
Im RCDE Stadium ereignete sich am Sonntag etwas, das selbst hartgesottene Statistiker zum Kopfschütteln bringen dürfte. Der RCD Espanyol dominierte Real Oviedo nach allen Regeln der xG-Kunst mit 2,93 zu 0,72 – und musste sich trotzdem mit einem 1:1-Unentschieden begnügen.
Diese 2,21 xG-Differenz war die größte des Spieltags und ein Paradebeispiel dafür, wie gnadenlos der Fussball sein kann. Während die Gastgeber Chance um Chance kreierten, als würden sie am Fließband produziert, brauchte Real Oviedo gerade mal 0,72 Expected Goals für ihren Punktgewinn. Das ist ungefähr so, als würde man mit einem Lottoschein im Wert von 72 Cent den Jackpot knacken.
Glückspilz des Spieltags: Getafe und die Kunst der Verwandlung
Der Getafe CF schreibt in dieser Saison seine ganz eigene Erfolgsgeschichte – eine, die Statistiker zum Verzweifeln bringt. Mit nur 1,16 xG gegen die 1,58 des Real Betis holten sie sich trotzdem einen 2:0-Sieg ab. Das ist bereits das 15. Mal in dieser Saison, dass Getafe mehr Punkte sammelt als verdient.
Mit nun 35 Punkten bei nur 29,5 xP steht das Team vom Coliseum Alfonso Pérez da wie ein Zauberer, der immer wieder das richtige Kaninchen aus dem Hut zaubert. 5,5 Punkte Glücksvorsprung – das ist mehr als manch anderer Verein in einem ganzen Monat sammelt.
Das xG-Opfer: Osasuna und das Unentschieden des Schmerzes
Auf der anderen Seite des Spektrums sitzt der CA Osasuna und fragt sich, was er dem Fussball-Gott angetan hat. Im Estadio El Sadar entwickelten sie gegen RCD Mallorca 2,34 xG – mehr als doppelt so viele wie ihre Gegner mit 0,98 – und mussten trotzdem mit einem 2:2 nach Hause gehen.
Dieses Unentschieden ist symptomatisch für Osasuna's Saison: 34 Punkte bei 30 Expected Points mögen nicht katastrophal klingen, aber an diesem Spieltag wurden sie erneut um 1,5 Punkte beraubt. Da kann man schon mal an der Gerechtigkeit des Fußballs zweifeln.
Ehrliche Tabellenlage: Der große Betrug an der Spitze
Während der FC Barcelona mit 67 Punkten die Liga anführt, erzählt die xP-Tabelle eine andere Geschichte: Mit 58 Expected Points haben sie neun Punkte mehr gesammelt als ihre Leistung hergeben würde. Das ist beeindruckend und verdächtig zugleich.
Noch extremer ist der Fall des Villarreal CF: Offiziell Vierter mit 54 Punkten, würden sie nach Expected Points mit 29 nur auf Platz 15 stehen. Ein Unterschied von 25 Punkten – das ist ungefähr eine halbe Saison Vorsprung, den sie sich zusammengemogelt haben.
Die wahren Verlierer? Der Athletic Club müsste eigentlich mit 46,5 xP auf Platz vier stehen, hängt aber mit nur 35 Punkten auf Rang zehn fest. Elf Punkte Differenz – das tut weh, auch beim Betrachten.
Ausblick: Kann das Glück ewig währen?
Mit noch elf Spieltagen vor der Brust stellt sich die Frage: Wie lange können Teams wie Villarreal und Getafe ihre Glückssträhne aufrechterhalten? Die Statistik sagt: nicht ewig. Expected Goals sind wie die Schwerkraft – man kann sie eine Weile ignorieren, aber irgendwann holt einen die Realität ein.
Besonders spannend wird es für Teams wie Athletic Club und Real Sociedad, die deutlich unter ihrem xP-Wert stehen. Hier könnte in den kommenden Wochen eine Korrektur nach oben erfolgen – wenn die Glücksfeen nicht gerade Urlaub machen.