Lucky Days und Dunkle Stunden: La Liga im xG-Check

Während der FC Barcelona im Camp Nou ein Tor-Festival feiert und Real Madrid weiter mit Glück punktet, zeigt sich am vierten Spieltag der spanischen Liga: Nicht immer gewinnt das bessere Team. Drei Klubs kassieren trotz überlegener Expected-Goals-Werte bittere Niederlagen – willkommen in der Welt der xG-Ungerechtigkeit.

Spiel der Woche: Wenn Glück auf Können trifft

Das beeindruckendste Beispiel für fussballerische Realitätsverweigerung lieferte der RCD Espanyol gegen RCD Mallorca. Mit einem xG-Wert von mageren 0,96 schossen die Hausherren drei Tore und gewannen 3:2 – während die Gäste aus Mallorca trotz 2,61 Expected Goals nur zwei Treffer erzielten. Eine Diskrepanz von 1,65 xG, die zeigt: Manchmal ist es besser, ein glücklicher Fussball-Dilettant zu sein als ein pechiger Ballkünstler.

Dicht gefolgt von der Lektion, die der FC Barcelona dem Valencia CF erteilte: 6:0 im eigenen Stadion bei einem xG-Verhältnis von 2,59 zu 0,38. Hier stimmten zumindest die Proportionen – auch wenn sechs Tore bei 2,59 Expected Goals schon sehr grosszügig gerundet sind.

Glückspilz des Spieltags: Die Dreier-Allianz des Glücks

Gleich drei Teams teilen sich den fragwürdigen Titel des glücklichsten Klubs: Der RCD Espanyol, CA Osasuna und Deportivo Alavés holten jeweils drei Punkte, obwohl ihre Expected Points nur bei 0,5 lagen. Ein Delta von 2,5 Punkten, das statistisch gesehen etwa so wahrscheinlich ist wie ein Elfmeter-Hattrick von einem Torhüter.

Besonders pikant: CA Osasuna besiegte Rayo Vallecano im Estadio El Sadar 2:0, obwohl die Gäste mit 2,1 zu 1,28 xG das klar bessere Team waren. Deportivo Alavés triumphierte sogar auswärts beim Athletic Club in San Mamés Barria mit 1:0 – bei einem xG-Verhältnis von 0,61 zu 1,44 zugunsten der Gastgeber.

xG-Opfer: Das Trio der Verzweiflung

Auf der anderen Seite der Glücks-Gleichung stehen drei Teams, die trotz überlegener Leistung mit leeren Händen dastehen: Real Sociedad, Athletic Club und Rayo Vallecano kassierten alle null Punkte, obwohl ihre Expected Points bei jeweils 2,5 lagen.

Der schmerzhafteste Fall: Real Sociedad unterlag Real Madrid im Estadio Municipal de Anoeta 1:2, obwohl sie mit 2,23 zu 1,68 xG die bessere Mannschaft waren. Athletic Club scheiterte daheim an Deportivo Alavés, und Rayo Vallecano fand in Pamplona keine Antworten auf die Effizienz von CA Osasuna.

Ehrliche Tabellenlage: Das grosse Verwirrspiel

In der offiziellen Tabelle führt der FC Barcelona vor Real Madrid – in der xP-Tabelle ebenfalls. Soweit, so unspektakulär. Doch dahinter wird es wild: Villarreal CF steht offiziell auf Platz 3, würde aber nach Expected Points nur Rang 13 belegen. 23,5 Punkte Vorsprung durch pures Glück – ein Wert, der jede Statistik-Software zum Weinen bringt.

Am anderen Ende der Fairness-Skala: Athletic Club dümpelt offiziell auf Platz 8 herum, gehört aber nach xP auf Rang 4. Elf Punkte Rückstand durch Pech – das tut weh, besonders in San Mamés Barria, wo normalerweise die Gesetze der Physik für die Hausherren gelten.

Real Betis (Platz 5 statt 8 nach xP) und Girona FC (Platz 11 statt 18) komplettieren die Riege der Glückspilze, während Valencia CF und Rayo Vallecano weiter auf bessere Zeiten hoffen müssen.

Ausblick: Die Gesetze der Statistik schlagen zurück

Nach vier Spieltagen zeichnet sich bereits ab: Die xG-Götter werden ihre Rechnungen präsentieren. Teams wie Villarreal CF können nicht dauerhaft mit einer Diskrepanz von über 20 Punkten leben, ohne dass die Realität zuschlägt. Umgekehrt wird Athletic Club nicht ewig unter Wert spielen.

Der nächste Spieltag könnte bereits erste Korrekturen bringen – oder die Ungerechtigkeit noch weiter treiben. In La Liga ist aktuell alles möglich, nur eines nicht: dass die Expected Goals dauerhaft ignoriert werden können. Irgendwann gewinnt immer die Mathematik.