Espanyol und Racing kapern das Lottobüro, während Alavés die Quittung bekommt
Der Wahrheitscheck nach fünf Spieltagen
Zehn Spiele, ein gemeinsamer Nenner: Die Torschussstatistik hat mal wieder Pause gemacht, während echte Tore den Ton angaben. Nirgends wird das deutlicher als bei RCD Espanyol und Racing Santander – zwei Teams, die dem Zufall diesen Spieltag die Haustürschlüssel überreicht haben. Auf der anderen Seite der Medaille: Deportivo Alavés und CA Osasuna, die spielerisch alles richtig gemacht haben und trotzdem mit leeren Händen dastehen. Willkommen in der ehrlichen Tabelle, wo Chancenverwertung Nebensache ist und die Wahrheit erst nach dem Abpfiff beginnt.
Spiel der Woche: Athletic Club vs. Elche CF
Ein 1:1 klingt erstmal nach fairer Sache – bis man die xG-Werte sieht. Athletic Club erspielte sich in San Mamés Barria satte 1,93 Expected Goals, Elche CF kam gerade mal auf 0,34. Das ist keine Diskrepanz mehr, das ist eine statistische Ohrfeige. Athletic Club dominierte das Spiel nach allen Regeln der Kunst, verwandelte aber nur einen Punkt in der Realität, während Elche mit einem einzigen Abschluss quasi ihre gesamte Offensivleistung des Abends verpackte – und trotzdem gleichzog. Wer noch Zweifel hatte, dass Fussball manchmal einfach ungerecht ist: hier ist der Beweis, xgDiff 1,59.
Glückspilz des Spieltags: Ex-aequo-Party bei Espanyol und Racing
Gleich zwei Teams teilen sich die Krone der Glücksritter: RCD Espanyol und Racing Santander holten beide die volle Punktzahl bei einem erwarteten Punktewert von gerade mal 0,5. Ein Delta von +2,5 – das ist nicht Fussball, das ist Zauberei. Espanyol gewann bei CA Osasuna trotz eines xG-Wertes von nur 0,85 gegen 1,48 – auswärts, gegen den druckvolleren Gegner, drei Punkte eingesackt. Racing Santander legte gegen Deportivo Alavés nach, obwohl die Basken statistisch klar überlegen waren (1,99 zu 1,19 xG). Zwei Siege, die im Statistik-Casino ausgezahlt wurden, ohne dass die reale Leistung dafür gereicht hätte.
xG-Opfer des Spieltags: Deportivo Alavés und Osasuna leiden gemeinsam
Wenn man Pech verdoppeln könnte, dann hier: Deportivo Alavés und CA Osasuna kassierten beide null Punkte bei einem erwarteten Wert von 2,5 – ein Delta von satten -2,5. Alavés dominierte bei Racing Santander eigentlich das Spiel (1,99 xG gegen 1,19), verlor aber trotzdem. Osasuna wiederum erspielte sich gegen Espanyol ordentlich Chancen (1,48 xG), stand am Ende jedoch mit leeren Händen da. Zwei Teams, die spielerisch alles richtig gemacht haben und trotzdem die Rechnung des Fussballgottes bezahlen mussten.
Ehrliche Tabellenlage: Wer schwindelt sich durch?
Die offizielle Tabelle zeigt den FC Barcelona ganz oben mit 15 Punkten – die xP-Tabelle sagt aber: Real Madrid müsste eigentlich führen, mit 12,5 erwarteten Punkten gegen nur 9,5 bei Barça. Ein Vorsprung von 5,5 Punkten, den die Katalanen sich statistisch nicht verdient haben. Auch Real Betis (Rang 3 offiziell, aber nur Rang 7 nach xP) und Deportivo La Coruña (offiziell Rang 7, nach xP nur Rang 14) leben aktuell über ihre Verhältnisse.
Am anderen Ende der Wahrheitsskala kämpfen sich Villarreal CF und Elche CF durch die Untiefen der Tabelle, obwohl ihre xP-Werte von jeweils 7,5 sie locker im gesicherten Mittelfeld verorten würden – Platz 11 respektive 12 nach xP, aber Platz 18 und 19 offiziell. Beide Teams sind die grossen Verlierer der Realität und die heimlichen Gewinner der Statistik. Auch Athletic Club (Rang 9 offiziell, Rang 5 nach xP) und CA Osasuna (Rang 11 offiziell, Rang 6 nach xP) dürften sich zu Recht ungerecht behandelt fühlen.
Ausblick: Kann die Statistik zurückschlagen?
Der grösste Widerspruch bleibt an der Spitze: Real Madrid mit der besseren Grundlage, FC Barcelona mit den dickeren Punkten. Diese Schere wird sich über die Saison entweder schliessen – oder Barcelona beweist, dass Effizienz auch eine Qualität ist, die man nicht kleinreden sollte. Villarreal CF und Elche CF hingegen brauchen dringend eine Trendwende ins Positive, sonst droht die Statistik-Wahrheit zur bitteren Tabellenrealität zu werden. Und Espanyol sowie Racing Santander? Die sollten sich den Spieltag einrahmen – solche Glückssträhnen kommen selten zweimal.