Wenn Glück regiert: Der verrückte 23. Spieltag der Premier League
Ein Wochenende der großen Widersprüche
Der 23. Spieltag der Premier League war ein Paradebeispiel dafür, warum wir bei ehrlichetabelle.com überhaupt existieren. Während die einen mit einem Augenzwinkern des Schicksals drei Punkte einsteckten, die ihnen nach Expected Goals nie gehört hätten, gingen andere trotz überlegener Leistung leer aus. Besonders bitter: Die größten Namen der Liga wurden zum Spielball des Glücks.
Spiel der Woche: Old Trafford wird zum Theater des Absurden
Im Emirates Stadium ereignete sich am 23. Spieltag das wohl dreisteste Glücksspiel der Saison. Manchester United gewann beim FC Arsenal mit 3:2 – und das, obwohl die Gunners mit 1,67 zu 0,98 eine deutlich bessere xG-Bilanz aufwiesen. Eine Differenz von 0,69 zugunsten der Hausherren, die am Ende trotzdem als Verlierer vom Platz gingen.
Es war ein Lehrstück dafür, wie sehr der Fußball manchmal seiner eigenen Logik spottet. Der FC Arsenal dominierte über weite Strecken, kreierte die besseren Chancen und hätte nach Expected Goals mit 2,5 Punkten belohnt werden müssen. Stattdessen kassierte United drei glückliche Punkte und ließ die Nordlondoner mit null Zählern zurück. Dass United derzeit auf Platz 4 steht, obwohl sie in der ehrlichen xP-Tabelle ebenfalls auf diesem Rang landen würden, macht das Ganze noch zynischer – sie hätten diesen Sieg schlicht nicht gebraucht.
Glückspilz des Spieltags: Manchester United tanzt auf dem Vulkan
Mit einem Delta von +2,5 Punkten waren die Red Devils die großen Gewinner des Glücks-Roulettes. Während sie laut Expected Points nur 0,5 Zähler verdient hätten, wanderten drei Punkte auf ihr Konto. Das ist Effizienz auf einem Level, das jede xG-Statistik zum Weinen bringt.
Dicht gefolgt wurde United von Nottingham Forest und dem FC Chelsea, die beide jeweils 2 Punkte mehr holten, als ihre Leistung hergab. Nottingham Forest besiegte Brentford FC mit 2:0, obwohl die Bees mit 1,32 zu 0,85 die besseren Expected Goals aufwiesen. Auch der FC Chelsea profitierte beim 3:1-Sieg gegen Crystal Palace von einem positiven xG-Saldo der Gastgeber (1,67 zu 1,32).
xG-Opfer: Arsenal zahlt den bitteren Preis der Ehrlichkeit
Die Ironie des Schicksals: Ausgerechnet der FC Arsenal, der sowohl die offizielle als auch die ehrliche Tabelle anführt, wurde zum größten Pechvogel des Spieltags. Mit -2,5 Punkten Differenz zwischen Realität und Expected Points erlebten die Gunners einen Albtraum im eigenen Emirates Stadium.
Auch Tottenham Hotspur hatte Grund zum Hadern. Beim 2:2 in Burnley hätten die Spurs laut xG (2,3 zu 1,08) eigentlich als klarer Sieger vom Platz gehen müssen. Stattdessen reichte es nur für einen Punkt – 1,5 Zähler weniger als verdient.
Ehrliche Tabellenlage: Die großen Schwindler werden entlarvt
In der offiziellen Tabelle führt der FC Arsenal souverän mit 61 Punkten vor Manchester City (56). Doch die ehrliche xP-Tabelle offenbart interessante Verschiebungen: Die Gunners würden auch hier führen, aber nur mit 57,5 erwarteten Punkten – ihr Vorsprung ist also durchaus berechtigt, wenn auch nicht ganz so komfortabel.
Der wahre Glücksritter der Saison bleibt Aston Villa. Mit 51 Punkten stehen sie auf Platz 3, hätten aber laut xP nur 34,5 Zähler verdient – ein Delta von sagenhaften +16,5 Punkten! In der ehrlichen Tabelle würden sie nur auf Platz 8 stehen.
Am anderen Ende der Skala leiden die Wolverhampton Wanderers unter dem größten Pech der Liga. Mit nur 10 Punkten sind sie Tabellenletzter, obwohl sie laut Expected Points 28 Zähler verdient hätten. Ein Delta von -18 Punkten – das ist schon fast tragisch.
Newcastle United (-5,5) und Nottingham Forest (-7,5) sind weitere prominente Vertreter der Pech-Fraktion, während Brentford FC (+10) und Sunderland AFC (+11,5) zu den großen Profiteuren gehören.
Ausblick: Das Glück ist ein Vogerl
Nach 23 von 38 Spieltagen ist die Saison noch lange nicht entschieden, aber die Tendenzen werden klarer. Der FC Arsenal zeigt, dass man auch ohne großes Glück an der Spitze stehen kann – ihre Führung in beiden Tabellen ist ein Zeichen echter Klasse.
Spannend wird, ob Aston Villa ihr Glück noch bis zum Saisonende konservieren kann, oder ob die xG-Götter irgendwann ihre Rechnung präsentieren. Für die Wolverhampton Wanderers hingegen kann es eigentlich nur noch besser werden – oder wie sagt man so schön: Nach dem Regen kommt die Sonne.
Der nächste Spieltag wird zeigen, ob das Pendel zurückschwingt oder ob manche Teams einfach vom Glück geküsst sind. In der Premier League ist jedenfalls eines sicher: Langweilig wird es nie.