Manchester Derby der Gefühle: Wenn Glück auf Pech trifft

Am 4. Spieltag der Premier League war wieder einmal alles dabei: Ein Derby, das die Statistiker verwirrt zurücklässt, ein Torwart, der Punkte klaut, und Teams, die langsam aber sicher ihre wahre Gesichter zeigen. Während manche Vereine weiterhin auf der Welle des Glücks surfen, werden andere von der gnadenlosen Realität der Expected Points eingeholt.

Spiel der Woche: Manchester Derby im Etihad Stadium

Das Manchester Derby zwischen Manchester City und Manchester United endete mit einem klaren 3:0 für die Hausherren – doch die xG-Werte erzählen eine völlig andere Geschichte. Mit gerade einmal 1,49 zu 1,37 Expected Goals hätte das Spiel genauso gut 1:1 enden können. Stattdessen servierte Manchester City im Etihad Stadium ein Meisterwerk der Effizienz ab.

Während Manchester United über 90 Minuten statistisch gesehen fast genauso gefährlich war wie der Gastgeber, blieben sie torlos. Manchester City hingegen verwandelte praktisch jeden Hauch einer Chance in Gold. Ein Paradebeispiel dafür, warum der Fussball manchmal grausam schön und schön grausam zugleich sein kann.

Glückspilz des Spieltags: Manchester City und der Fulham FC

Apropos Effizienz: Manchester City darf sich nicht nur über drei Derby-Punkte freuen, sondern auch über den Titel "Glückspilz des Spieltags". Mit nur 1,0 Expected Points hätten sie statistisch gesehen höchstens einen Punkt verdient – stattdessen fuhren sie alle drei ein. Delta: +2,0 Punkte.

Den gleichen Glücksbonus heimste der Fulham FC im Craven Cottage ein. Gegen Leeds United gewannen sie mit 1:0, obwohl die Gäste mit 1,17 xG sogar mehr Gefahr ausstrahlten als die Gastgeber (0,87 xG). Manchmal reicht eben ein glücklicher Treffer und ein Torwart in Weltklasse-Form.

xG-Opfer: Das Triumvirat der Pechvögel

Gleich drei Teams teilen sich den unrühmlichen Titel des größten Pechvogels: Everton FC, Crystal Palace und Chelsea FC kassierten alle jeweils 1,5 Expected Points weniger als statistisch verdient.

Der Everton FC hatte im Goodison Park gegen Aston Villa mit 1,88 xG deutlich mehr Gefahr ausgestrahlt als die Gäste (0,76 xG), musste sich aber mit einem 0:0 begnügen. Crystal Palace erging es im Selhurst Park ähnlich: Trotz klarer xG-Überlegenheit gegen Sunderland AFC (1,64 zu 0,67) blieb es beim torlosen Unentschieden.

Chelsea FC komplettiert das Trio der Unglücksraben. Gegen Brentford FC gingen sie trotz 1,84 xG gegenüber nur 0,99 xG der Gastgeber nur mit einem 2:2 vom Platz. Drei Teams, ein Schicksal: zu viele Chancen, zu wenig Ertrag.

Ehrliche Tabellenlage: Die Wahrheit hinter den Punkten

Ein Blick auf die ehrliche Tabelle offenbart, wer aktuell über oder unter seinem wahren Wert steht. Aston Villa führt die Liste der Glückspilze an: Mit 51 Punkten stehen sie auf Platz 3, obwohl ihre Expected Points von nur 34,5 eher Platz 8 entsprechen würden. Ein Unterschied von sagenhaften 16,5 Punkten!

Auch Manchester City (8,5 Punkte zu viel) und der Sunderland AFC (11,5 Punkte zu viel) leben deutlich über ihre xP-Verhältnisse.

Auf der anderen Seite steht Wolverhampton Wanderers als das große xG-Opfer der Saison da: Mit nur 10 Punkten dümpeln sie auf Platz 20, obwohl ihre 28 Expected Points eigentlich Platz 17 bedeuten würden. 18 Punkte Unterschied – da kann man schon mal den Glauben an die Fussballgötter verlieren.

Besonders bitter: Newcastle United (-5,5 Punkte) und Nottingham Forest (-7,5 Punkte) gehören ebenfalls zu den großen Pechvögeln der bisherigen Saison.

Ausblick: Das Glück ist ein Vogerl

Die Wahrheit ist: Über 38 Spieltage gleichen sich solche Diskrepanzen meist aus. Teams wie Aston Villa werden früher oder später von der xG-Realität eingeholt, während Wolverhampton Wanderers hoffen können, dass sich ihr statistischer Vorsprung bald in echte Punkte verwandelt.

Manchester City wird nicht die ganze Saison mit einer Effizienz von 300 Prozent spielen, und Chelsea FC wird nicht permanent ihre Chancen liegen lassen. Der 5. Spieltag wird zeigen, ob sich die ersten Korrekturen andeuten oder ob das Glücks-Pech-Karussell fröhlich weiterrotiert.

Eines ist sicher: In der Premier League ist noch alles möglich – auch wenn die Expected Goals bereits ihre eigene Geschichte erzählen.