Spieltag 6: Wenn Fussball-Götter Würfel spielen
Der Tag der großen Ungerechtigkeiten
Was für ein verrückter Samstag in der Premier League! Am 6. Spieltag schien jemand im Fussball-Himmel ordentlich an den Glücksrädern zu drehen. Während die einen mit Champagner anstoßen, obwohl sie eigentlich Wasser verdient hätten, schauen andere in die Röhre – trotz Leistungen, die normalerweise drei Punkte wert gewesen wären. Willkommen zur großen Lotterie des englischen Fussballs, wo Expected Goals nur eine nette Statistik sind und das Tor das letzte Wort hat.
Das Spiel der Woche: Nottingham Forest gegen Sunderland AFC
Im The City Ground ereignete sich das wohl krasseste Beispiel fussballerischer Ungerechtigkeit des Spieltags. Der Nottingham Forest dominierte die Sunderland AFC nach allen Regeln der Kunst, hämmerte das Leder mit einem xG-Wert von 2,48 gen Tor – und verlor trotzdem 0:1. Die Gäste aus dem Nordosten brauchten lediglich 1,11 erwartete Tore und nahmen trotzdem alle drei Punkte mit nach Hause.
Das ist Fussball in Reinform: manchmal so unlogisch wie ein Steuerbescheid, aber genauso unveränderlich. Der Nottingham Forest hätte an diesem Tag zehnmal spielen können – neunmal hätten sie gewonnen. Leider zählt nur das eine Mal, das tatsächlich stattfand.
Glückspilz des Spieltags: Sunderland AFC
Sprechen wir über den größten Glückspilz des Spieltags: die Sunderland AFC holte sich stolze 2,5 Glückspunkte ab – die Differenz zwischen den verdienten 0,5 Expected Points und den tatsächlichen drei Zählern. Das ist mathematisch gesehen etwa so wahrscheinlich wie ein Treffer aus der eigenen Hälfte – kann passieren, aber man sollte nicht darauf setzen.
Die Sunderland AFC steht damit in der offiziellen Tabelle auf Platz 12, während sie in der ehrlichen xP-Tabelle gerade mal Platz 18 belegen würde. Mit 11,5 Glückspunkten über die gesamte Saison sind sie aktuell das Team, das am meisten über seinen Verhältnissen lebt. Aber hey, solange es funktioniert!
xG-Opfer: Nottingham Forest
Auf der anderen Seite des Glücksspektrums steht der arme Nottingham Forest. Mit -2,5 Punkten am Spieltag sind sie das größte xG-Opfer des Wochenendes. Über die gesamte Saison betrachtet stehen sie mit -7,5 Punkten da wie der klassische Pechvogel: tolle Leistung, mieses Ergebnis.
In einer gerechten Welt würden die Forests auf Platz 9 der ehrlichen Tabelle stehen, statt auf dem trostlosen 17. Rang zu dümpeln. Manchmal ist Fussball eben wie das Leben: unfair, aber trotzdem schön. Oder so ähnlich.
Ehrliche Tabellenlage: Die großen Blender und echten Könner
Die Premier League-Tabelle liest sich aktuell wie ein Who's Who der Glücksritter. Der FC Arsenal führt sowohl die offizielle als auch die ehrliche Tabelle an – Chapeau, das ist verdiente Leistung! Manchester City auf Platz 2 hat sich hingegen 8,5 Glückspunkte erschummelt und müsste in der xP-Welt nur Zweiter sein (was sie ja auch sind, aber mit weniger Vorsprung).
Der absolute Showstopper ist die Aston Villa: Platz 3 offiziell, aber nur Platz 8 in der ehrlichen Tabelle. Mit 16,5 Glückspunkten leben sie derzeit so weit über ihren Verhältnissen wie ein Lottomillionär im ersten Jahr. Am anderen Ende das Trauerspiel der Wolverhampton Wanderers: Tabellenplatz 20 mit nur 10 Punkten, dabei wären sie mit 28 Expected Points eigentlich ein solider Mittelfeldverein. Manchmal ist Fussball wirklich zum Heulen.
Ausblick: Regression zur Mitte
Die Fussball-Mathematik ist gnadenlos: Was zu schön ist, um wahr zu sein, ist es meistens auch nicht. Teams wie die Aston Villa oder die Sunderland AFC werden früher oder später ihre Glückssträhne verlieren, während der Nottingham Forest und die Wolverhampton Wanderers auf bessere Zeiten hoffen dürfen.
Der nächste Spieltag wird zeigen, ob sich das Glück neu verteilt oder ob die aktuellen Trends anhalten. Eines ist sicher: In einer Liga, wo Expected Goals und tatsächliche Ergebnisse so weit auseinanderklaffen wie Anspruch und Realität bei einem Montagmorgen-Meeting, bleibt es spannend. Sehr spannend sogar.
*Die ehrliche Tabelle zeigt: Fussball ist zwar unberechenbar, aber nicht unlogisch. Manchmal muss man nur etwas genauer hinschauen.*