Bologna kauft ein Lotterielos und gewinnt den Hauptpreis, Lecce zahlt die Rechnung

Hook-Intro

Manchmal reicht ein einziger Spieltag, um zu beweisen, dass der Fussballgott entweder sehr grosszügig oder sehr grausam sein kann – oft beides gleichzeitig. Spieltag 6 der Serie A liefert ein Lehrstück über die Kluft zwischen Verdienst und Ertrag: Während Bologna mit homöopathischen 0,5 xG-Punkten drei Punkte einsackt, geht Lecce mit 2,5 erwarteten Punkten komplett leer aus. Dazwischen: Cagliari, das sich mit 0,46 xG gegen Juventus' 2,94 xG ein Unentschieden erschleicht, als hätte man einem Taschendieb die Geldbörse zurückgegeben. Willkommen in der ehrlichen Tabelle, wo die Wahrheit manchmal wehtut.

Spiel der Woche

Die Krone für die absurdeste xG-Diskrepanz geht klar an Cagliari Calcio gegen Juventus FC. Ein 1:1 in der Sardegna Arena klingt erstmal nach einem fairen Remis – bis man die Zahlen sieht: 0,46 zu 2,94 xG. Das ist kein knapper Expected-Goals-Vorsprung, das ist eine statistische Demontage. Juventus hätte dieses Spiel nach jeder vernünftigen Logik mit drei, vier Toren Unterschied gewinnen müssen, stattdessen reist man mit nur einem müden Punkt ab. Cagliari hingegen hat quasi im Lotto gewonnen, ohne einen Schein gekauft zu haben – eine Leistung, die mehr mit Abwehrglück als mit Abwehrarbeit zu tun hatte.

Ehrenwerte Erwähnung verdient auch Como gegen Roma: 2,01 zu 0,93 xG bei einem torlosen 0:0 – hier hat sich offenbar niemand die Mühe gemacht, den erwarteten Toren auch wirkliche Tore folgen zu lassen.

Glückspilz des Spieltags

Bologna FC betritt die Bühne als strahlender Sieger der Woche – zumindest auf dem Papier. Mit nur 0,5 xG erspielt, aber vollen drei Punkten im Gepäck beim 2:1-Auswärtssieg in Lecce, steht Bologna mit einem Delta von +2,5 einsam an der Spitze der Glückspilze. Das Stadio Renato Dall'Ara darf sich freuen, auch wenn die Fans ehrlicherweise wissen sollten: Das war mehr Münzwurf als Meisterleistung. Dicht dahinter tummeln sich Torino und Atalanta, die beide mit nur 1,0 xG volle Hütte einfuhren – ein Spieltag, an dem der Zufall offenbar im Dreierpack Geschenke verteilt hat.

xG-Opfer

Auf der anderen Seite der Medaille steht US Lecce, der heutige Pechvogel schlechthin. Mit 2,5 erwarteten Punkten im eigenen Stadio Comunale Via del Mare hätte man sich zumindest einen Zähler verdient – herausgekommen ist die Nullnummer gegen Bologna. Ein Delta von -2,5 tut weh, besonders wenn man bedenkt, dass Lecce mit 1,99 xG spielerisch klar überlegen war. Gleich dahinter reihen sich Como und Juventus ein, die beide mit ihren 2,5 xP nur jeweils einen müden Punkt zu Buche stehen haben. Die Moral von der Geschicht: Chancen erspielen reicht nicht, man muss sie auch verwandeln.

Ehrliche Tabellenlage

Wer sich die offizielle Tabelle anschaut, könnte meinen, SS Lazio sei auf dem Weg zur Meisterschaft – Platz 2 mit 16 Punkten. Die xP-Tabelle zeichnet ein gnadenloseres Bild: Lazio rutscht auf Rang 8 ab, mit einem Diff von sattem +8. Das ist der grösste positive Ausreisser der gesamten Liga und sollte in Rom Anlass zur Vorsicht geben.

Noch extremer: Cagliari Calcio, offiziell Vierter mit 13 Punkten, in der xP-Tabelle aber nur auf Platz 16 – ein Unterschied von 7,5 Punkten, der zeigt, dass hier mehr Fortuna als Fussball am Werk war.

Auf der anderen Seite leiden die Buhmänner der ehrlichen Tabelle: ACF Fiorentina steht offiziell nur auf Platz 19, würde aber nach xP auf Rang 6 rangieren – ein Delta von -6 Punkten, der grösste Verlust der Liga. Auch Como 1907 und Juventus FC dürfen sich zu Recht benachteiligt fühlen: Beide stehen in der xP-Tabelle auf den Plätzen 2 und 3, in der Realität aber nur auf 6 und 7.

Inter Milan hingegen führt beide Tabellen an – ein seltenes Zeichen von echter, verdienter Dominanz.

Ausblick

Die grosse Frage für Spieltag 7: Kippt das Glücksrad zurück? Lazio und Cagliari können sich auf Dauer kaum auf ihrem xP-Defizit ausruhen, irgendwann holt die Statistik jeden ein. Juventus und Como wiederum dürften bald die Früchte ihrer überlegenen Spielanlage ernten – wenn nicht in Punkten, dann zumindest in Form von mehr Toren. Und Fiorentina? Die Viola sollten sich warm anziehen, falls sich ihr Chancenwucher nicht bald in echte Treffer verwandelt, drohen sie tiefer in den Tabellenkeller zu rutschen, als es ihre eigentliche Leistung verdient hätte. Die ehrliche Tabelle bleibt gnadenlos – und genau deshalb lieben wir sie.