Genua klaut die Punkte, Juve zahlt die Zeche im Casino der Küste

Hook-Intro

Es gibt Spieltage, da ist die Serie A einfach nur die Serie A: laut, chaotisch und völlig beratungsresistent gegenüber Statistik-Modellen. Spieltag 9 war so ein Fall. Während der FC Sassuolo mit 0,8 xG sechs Gegentore kassierte und Lazio sich nicht die Mühe machte, das Ergebnis zu rechtfertigen, gab es anderswo ganz andere Dramen: Genua gewann ein Spiel, das es laut xG eigentlich hätte verlieren müssen – und Juventus verlor eines, das es eigentlich hätte gewinnen müssen. Willkommen im ehrlichen Teil der Tabelle, wo die Zahlen nicht lügen, auch wenn das Ergebnis es tut.

Spiel der Woche

Die grösste xG-Diskrepanz des Spieltags liefert ausgerechnet ein 0:0. Parma Calcio gegen Udinese Calcio im Stadio Ennio Tardini endete torlos – doch während Parma mit müden 0,92 xG kaum Anstalten machte, ein Tor zu erzwingen, produzierte Udinese Calcio stolze 1,98 xG und ging komplett leer aus. Eine Differenz von 1,06 xG, die sich am Ende in exakt null Toren niederschlug. Das ist die Art von Fussball-Ironie, die Statistiker nachts wachhält: Der bessere Auftritt brachte nicht einmal einen Punkt mehr als der schlechtere. Udinese Calcio darf sich zu Recht fragen, was man noch tun muss, um in diesem Spiel zu gewinnen – offenbar reicht Dominanz allein nicht.

Glückspilz des Spieltags

Die Krone des Spieltags gebührt dem Genoa CFC. Im heimischen Stadio Comunale Luigi Ferraris gewann man gegen Juventus FC mit 2:0 – bei einem xG-Wert von bescheidenen 1,35 gegen starke 1,89 der Gäste. Macht ein Delta von sattem +2,5 zwischen den tatsächlich geholten drei Punkten und den erwarteten 0,5 Punkten. Das ist nicht Fussball, das ist Harakiri-Effizienz. SSC Napoli und Inter Milan reihen sich mit jeweils +2,0 Delta direkt dahinter ein – auch sie haben an diesem Wochenende mehr geholt, als ihre eigene Leistung eigentlich hergab. Der italienische Fussball-Gott hatte offenbar an diesem Spieltag ein besonders grosszügiges Händchen für die Küstenstädte.

xG-Opfer

Auf der anderen Seite der Glücksskala steht Juventus FC, und zwar ziemlich einsam. 0 Punkte bei 2,5 erwarteten Punkten – ein Delta von -2,5, das schmerzt. Die Alte Dame erspielte sich in Genua genug, um locker zu gewinnen, nahm aber nichts mit nach Hause. Auch Udinese Calcio (-1,5) und ACF Fiorentina (-1,5) dürfen sich als Pechvögel fühlen. Letztere kassierte beim 2:2 gegen Atalanta trotz überlegener 2,4 xG gegen 1,27 nur einen Punkt – im Stadio Artemio Franchi hätte das Resultat eigentlich klar zugunsten der Hausherren ausfallen müssen.

Ehrliche Tabellenlage

Wer sich die offizielle Tabelle anschaut, sieht SS Lazio ganz oben – mit 25 Punkten bei nur 14 erwarteten Punkten. Ein Diff von +11! Das ist nicht mehr Tabellenführung, das ist eine Meisterschaft im Dosenwerfen auf dem Jahrmarkt. In der xP-Tabelle landet Lazio dagegen nur auf Platz 6, überholt von Inter Milan (19,5 xP), Como 1907 (19,5 xP), AS Roma (17,5 xP) und sogar Juventus FC (17,5 xP trotz miserabler 14 echter Punkte und Tabellenplatz 8). Besonders bitter: ACF Fiorentina steht offiziell auf Platz 19 mit nur 5 Punkten, würde nach xP aber auf Rang 7 mit 14 Punkten rangieren – ein Unterschied von sage und schreibe 9 Punkten. Genauso tragisch: Venezia, aktuell Tabellenletzter mit 3 Punkten, hätte nach xP bereits 12 Punkte und würde im Mittelfeld mitspielen. Zwei echte Pechvögel der bisherigen Saison, die in der "ehrlichen" Welt ganz anders dastehen würden.

Ausblick

Die grosse Frage für den nächsten Spieltag: Hört die Lazio-Glückssträhne irgendwann auf? Mit einem Punktepolster von +11 gegenüber dem xP-Wert ist die Regression zur Mitte überfällig. Auch Juventus FC wird sich fragen, wann endlich die Chancenverwertung ihrer Leistung entspricht – aktuell trennen Real und Erwartung 3,5 Punkte nach unten. Und Venezia sowie Fiorentina haben allen Grund zur Hoffnung: Wer so viel xG produziert wie sie, kann die Pechsträhne nicht ewig mit sich herumtragen. Der Tabellenkeller könnte in den kommenden Wochen eine echte Überraschung erleben – zumindest, wenn die Statistik am Ende doch noch recht behält.