Der 11. Spieltag: Wenn Fortuna ihre Würfel besonders schief rollt
Das Märchen geht weiter – aber wer wird am Ende die Zeche zahlen?
Die Super League am 11. Spieltag: ein Theater des Absurden, in dem die Hauptrollen von Glück und Pech vergeben werden. Während der FC Thun weiterhin sein Märchen von der Tabellenspitze schreibt (58 Punkte bei 41.5 xP – ein Vorsprung von 16.5 Punkten auf seine echte Leistung), sorgte dieser Spieltag für neue Kapriolen in der ewigen Schlacht zwischen Realität und Statistik.
Spiel der Woche: Lugano schlägt Luzern – oder war es umgekehrt?
FC Lugano 2:0 FC Luzern im Stadio di Cornaredo war das Paradebeispiel dafür, warum Expected Goals manchmal zum Haareraufen sind. Der FC Lugano gewann verdient mit 2:0 – könnte man meinen. Bis ein Blick auf die xG-Werte die Realität auf den Kopf stellt: Lugano 0.96 xG, der FC Luzern sagenhafte 2.2 xG. Eine Diskrepanz von 1.24 xG zugunsten der Verlierer!
Der FC Luzern dominierte die Partie nach allen Regeln der Kunst, scheiterte aber an der Chancenverwertung und einem gnadenlosen Lugano-Keeper. Währenddessen verwandelte der FC Lugano zwei Halbchancen eiskalt und sammelte drei Punkte, die nach Expected Points eigentlich 0.5 wert gewesen wären. Fussball kann grausam sein – besonders für Statistiker.
Glückspilz des Spieltags: Lugano und Servette teilen sich die Fortuna-Medaille
Mit einem Delta von jeweils 2.5 Punkten über den Expected Points teilen sich der FC Lugano und der Servette FC den Titel des glücklichsten Teams des Spieltags. Während Luganos Glück bereits ausführlich gewürdigt wurde, zauberte der Servette FC beim 3:1-Sieg über den FC Lausanne-Sport einen ähnlichen Trick aus dem Hut.
Die Genfer kassierten dabei 1.38 xG gegen Lausannes 1.91 xG – und gewannen trotzdem souverän. Man könnte fast meinen, die Teams hätten sich vor dem Spieltag heimlich Glücksamulette besorgt. Der FC Lugano katapultiert sich durch diese Glückssträhne auf Platz 3 der offiziellen Tabelle, obwohl er in der ehrlichen xP-Tabelle nur auf Rang 11 (!) stehen würde.
xG-Opfer: Lausanne und Luzern – die tragischen Helden
Sowohl der FC Lausanne-Sport als auch der FC Luzern sammelten die Maximalpunktzahl im Pech-Ranking: 2.5 Expected Points, aber null reale Zähler. Beide Teams spielten ordentlichen Fussball, wurden aber von der Fussball-Göttin im Stich gelassen.
Besonders bitter für Lausanne: In der ehrlichen xP-Tabelle stünden sie mit 38 Expected Points auf Rang 2 – in der Realität dümpeln sie mit nur 30 Punkten auf Platz 9 herum. Eine Diskrepanz von -8 Punkten, die schmerzhaft deutlich macht, wie ungerecht Fussball sein kann. Der FC Luzern kann sich immerhin damit trösten, dass seine Saison-Bilanz mit nur 1.5 Punkten Pech noch halbwegs im Rahmen liegt.
Ehrliche Tabellenlage: Die grosse Illusion
Die aktuelle Tabelle ist ein Zerrspiegel der wahren Machtverhältnisse. Während der FC Thun mit seinen 58 Punkten einsam an der Spitze thront, ist sein xP-Wert von 41.5 Punkten nur der sechstbeste der Liga. In einer fairen Welt würde der FC Lausanne-Sport (38 xP) auf Platz 2 stehen, gefolgt vom FC Basel und Servette FC (beide 36.5 xP).
Die größten Leidtragenden sind der Grasshopper Club Zürich (10.5 Punkte unter ihren Expected Points) und paradoxerweise der FC Lugano, der trotz seines aktuellen Höhenflugs satte 21.5 Punkte über seinem xP-Wert steht – der höchste Wert der Liga. Diese Blase könnte irgendwann platzen.
Ausblick: Die Rechnung kommt noch
Mit 25 Spieltagen vor der Brust steht die Saison noch am Anfang. Die Frage ist nicht, ob sich die Expected Points durchsetzen werden, sondern wann. Der FC Thun wird sein Märchen nicht ewig weitererzählen können, und der FC Lugano schwebt mit seiner extremen Glückssträhne auf dünnem Eis.
Andererseits dürfen sich der FC Lausanne-Sport und der Grasshopper Club Zürich Hoffnungen machen: Talent und gute Leistungen setzen sich langfristig durch. Die Statistik ist geduldig – aber unerbittlich. Der nächste Spieltag könnte bereits erste Korrekturen bringen. Oder das Chaos perfekt machen. In der Super League ist beides möglich.