Der Zürcher Zufallsgenerator läuft heiss, während Luzern die Lotterie verliert
Spiel der Woche: Basel wirft Chancen weg, Grasshopper freut sich über ein Geschenk
St. Jakob-Park, 0:0 – und doch das ehrlichste Unentschieden, das gleichzeitig das unehrlichste Ergebnis des Spieltags ist. Der FC Basel erspielte sich satte 1.92 xG, der Grasshopper Club Zürich kam auf müde 1.24. Eine Differenz von 0.68 – und trotzdem steht am Ende eine Null unter beiden Namen. Basel darf sich an die Stirn fassen, GC darf sich freuen, dass der Ball heute einfach nicht reinwollte – auf beiden Seiten. Für die Statistik-Fans unter uns: Das ist die Art von Spiel, bei dem man den Torwart des Gegners am liebsten zum Mann des Spiels krönen würde, obwohl er vermutlich einfach nur Glück hatte.
Glückspilz des Spieltags: Der FC Zürich gewinnt die Lotterie am Letzigrund
Es gibt Siege, die fühlen sich wie Fussball an. Und es gibt Siege, die fühlen sich an wie ein Sechser im Lotto. Der FC Zürich hat am eigenen Stadion Letzigrund gegen den FC Luzern mit 2:1 gewonnen – bei einem xG-Wert von 1.5 gegen 2.49. Das bedeutet: Nach Expected Points hätte dieses Spiel eher 0.5 Punkte für Zürich bedeutet, nicht drei. Ein Delta von +2.5 macht den FCZ zum offiziellen Glückspilz des Spieltags. Dicht gefolgt vom FC Sion und dem FC Lugano, die beide mit einem Delta von +2 ebenfalls ihre Schutzengel überstunden schuften liessen. Apropos Lugano: Der Tabellenführer sammelt mittlerweile 13.5 Punkte mehr als es seine xPoints hergeben würden – das ist nicht mehr Glück, das ist schon fast ein eigenes Naturgesetz.
xG-Opfer: Der FC Luzern spielt gut und verliert trotzdem alles
Während am Letzigrund gefeiert wurde, saß der FC Luzern auf der anderen Seite der Medaille. Mit 2.49 xG hätte man sich locker 2.5 Expected Points ausrechnen dürfen – stattdessen gab es die bittere Null. Ein Delta von -2.5 macht Luzern zum traurigsten Verein des Spieltags. Nicht weit dahinter reiht sich der FC Basel ein (-1.5), der trotz drückender Überlegenheit gegen GC nur einen müden Punkt mitnahm. Und auch der FC Thun darf sich ärgern: Trotz 2.11 xG gegen den FC Lugano (1.91) gab es eine 2:3-Niederlage in der Stockhorn Arena. Expected Points von 1 standen am Ende null reale Punkte gegenüber.
Ehrliche Tabellenlage: Der Thron wackelt gewaltig
Schaut man auf die offizielle Tabelle, thront der FC Lugano mit 31 Punkten hoch über allem. In der ehrlichen xP-Tabelle rutscht er jedoch auf Platz 4 ab – mit gerade einmal 17.5 erwarteten Punkten. Der wahre Verdienstmeister dieser Saison heisst nach Expected Points der BSC Young Boys: 22.5 xP stehen 25 echten Punkten gegenüber – ein Team, das seine Leistung tatsächlich in Resultate ummünzt, was man in dieser Liga offenbar schon besonders erwähnen muss.
Der grosse Verlierer der ehrlichen Rechnung: der FC St. Gallen. Mit nur 16 Punkten auf dem Papier, aber 21 erwarteten Punkten, ist St. Gallen das Pechvogel-Team der gesamten Saison (-5). Die Ostschweizer spielen offenbar Fussball für eine Parallelliga, in der die Tore auch tatsächlich fallen, wenn man sie verdient. Auch der FC Zürich (xP 12 vs. 17 Punkte) und der FC Sion (18 vs. 22) stehen in der echten Tabelle deutlich zu gut da, während der FC Luzern (15 xP vs. 12 Punkte) und erneut St. Gallen eigentlich einen Blumenstrauss vom Fussballgott verdient hätten.
Ausblick: Kippt das Kartenhaus bald?
13.5 Punkte Differenz zwischen Tabellenführer Lugano und seinem xP-Wert – das ist eine Zahl, die auf Dauer kaum zu halten sein dürfte. Irgendwann klopft die Regression zur Mitte an die Tür des Stadio di Cornaredo, und dann könnte es für die Verfolger eng werden, allen voran für die Young Boys, die statistisch gesehen längst das beste Team der Liga sind. Auch der FC St. Gallen dürfte sich mittelfristig Hoffnung machen, dass die Fussballgötter irgendwann ein Einsehen haben. Bis dahin heisst es: Augen auf die xG-Werte, nicht auf die Tabelle – denn die lügt, zumindest in der Super League, gerade ziemlich dreist.