Wenn Glück regiert: Ein Spieltag voller Expected-Goals-Dramen
Das Märchen vom FC Thun und die Realität der Zahlen
Der 13. Spieltag der Super League hätte nicht besser illustrieren können, warum wir bei ehrlichetabelle.com existieren. Während der FC Thun weiterhin wie ein modernes Schweizer Fussballwunder an der Tabellenspitze thront, erzählen die Expected Points eine völlig andere Geschichte. Mit satten 16.5 Punkten über ihrem xP-Wert führt der Club aus dem Berner Oberland nicht nur die Tabelle an, sondern auch unsere Glücksstatistiken – und das mit beeindruckender Konstanz.
Doch am 13. Spieltag gab es noch mehr Überraschungen: Während die einen das Glück förmlich mit Löffeln frassen, kämpften andere gegen die Tücken der Wahrscheinlichkeit an.
Spiel der Woche: St. Gallen gegen Young Boys – Wenn xG zur Komödie wird
Im Kybunpark erlebten wir das perfekte Beispiel dafür, warum Fussball mehr ist als nur Statistik – aber auch, warum Statistik manchmal herzlos ehrlich ist. Der FC St. Gallen verlor 1:4 gegen die BSC Young Boys, obwohl die Espen mit 2.07 xG deutlich mehr Chancen kreierten als ihre Berner Gäste (1.44 xG).
Ein xG-Unterschied von 0.63 zugunsten der Verlierer – das ist schon bitter. Während der FC St. Gallen seine Chancen vergeigte wie ein Stürmer im Trainingslager, nutzten die BSC Young Boys ihre Gelegenheiten mit der Effizienz einer Schweizer Uhr. Das Resultat? Drei Punkte für Bern, obwohl St. Gallen das bessere Spiel machte.
Besonders pikant: Beide Teams stehen in unseren Glücksindizes ganz oben – nur eben auf verschiedenen Seiten der Medaille.
Glückspilz des Spieltags: Young Boys reiten die Glückswelle
Die BSC Young Boys zeigten am 13. Spieltag, wie man mit minimalem Aufwand maximalen Ertrag erzielt. Mit nur 0.5 Expected Points hätten sie statistisch gesehen höchstens einen Punkt verdient – geholt haben sie alle drei. Ein Delta von +2.5 Punkten macht sie zum glücklichsten Team des Spieltags.
Aber hey, wer beschwert sich schon über Effizienz? Die Young Boys stehen aktuell mit 36 Punkten auf Platz 6, obwohl ihre Expected Points (32.0) eher Platz 7 suggerierten. Ein Plus von 4 Punkten ist zwar nicht weltbewegend, aber in einer Liga, wo jeder Punkt zählt, kann das am Ende den Unterschied zwischen Europa und Mittelfeld bedeuten.
xG-Opfer: St. Gallen und das Pech der Tüchtigen
Der FC St. Gallen führt momentan eine andere, weniger schmeichelhafte Statistik an: Mit 2.5 Expected Points hätten die Espen am 13. Spieltag mindestens einen Punkt verdient, vielleicht sogar alle drei. Stattdessen gingen sie leer aus – ein Delta von -2.5 Punkten.
Das Tragische daran: Der FC St. Gallen steht trotz solcher Rückschläge auf Platz 2 der offiziellen Tabelle, aber auch hier regiert das Glück. Mit 47 Punkten stehen sie 13.5 Zähler über ihrem xP-Wert (33.5). In der ehrlichen xP-Tabelle würden die St. Galler nur auf Platz 6 stehen – immer noch respektabel, aber weit entfernt von der aktuellen Euphorie im Kybunpark.
Ehrliche Tabellenlage: Die grosse Umverteilung
Wenn wir die offizielle Tabelle mit der xP-Tabelle vergleichen, erleben wir ein Schweizer Fussball-Erdbeben. Der FC Lugano, aktuell Dritter mit 46 Punkten, würde in der ehrlichen Tabelle auf Platz 11 abstürzen. 21.5 Punkte über dem erwarteten Wert – das ist schon bemerkenswert.
Auf der anderen Seite des Spektrums finden wir den Grasshopper Club Zürich, der trotz 31.5 Expected Points nur 21 reale Punkte auf dem Konto hat. Die Heuschrecken würden in einer gerechten Welt auf Platz 10 stehen, nicht am Tabellenende.
Besonders bitter: Der FC Lausanne-Sport und der Servette FC leiden beide unter massivem Pech. Lausanne würde mit 38 xP auf Platz 2 stehen (aktuell Platz 9), Servette mit 36.5 xP auf Platz 4 (aktuell Platz 10). Zwei Teams, die viel besseren Fussball spielen, als ihre Tabellenposition vermuten lässt.
Ausblick: Das Glück ist ein Vogerl
Mit noch 23 Spieltagen vor der Brust wird sich zeigen, ob der FC Thun sein Märchen weiterschreiben kann oder ob die Gesetze der Wahrscheinlichkeit doch noch zuschlagen. Bei einem Glücksvorsprung von 16.5 Punkten ist noch viel Luft nach unten vorhanden.
Gleichzeitig dürfen Teams wie der FC Lausanne-Sport und der Servette FC hoffen, dass sich ihr besserer Fussball bald auch in Punkten niederschlägt. In der Mathematik des Fussballs gleicht sich über die Zeit meist alles aus – nur manchmal dauert es eben etwas länger.
Der nächste Spieltag wird zeigen, ob das Glück seine Favoriten wechselt oder ob die aktuellen Glückspilze ihre Serie fortsetzen können. Eines ist sicher: Die Expected Goals werden weiterhin schonungslos ehrlich sein – auch wenn die Realität manchmal andere Pläne hat.