Spieltagsbericht 17: Die Alchemisten von Lugano und Basel

Der Punkt, den es nie gab

Der 17. Spieltag der Super League war ein Paradebeispiel dafür, warum der Fussballgott manchmal ein ziemlicher Schelm ist. Während im St. Jakob-Park der FC Basel mit 2,41 erwarteten Toren gegen lausige 0,82 der Lausanner antrat und trotzdem torlos remisierte, zauberte der FC Lugano im Stadio di Cornaredo vier Treffer aus mageren 1,19 xG herbei. Die Kunst, Expected Goals zu ignorieren, ist diese Saison zu einer wahren Wissenschaft geworden.

Spiel der Woche: Basel vs. Lausanne – Die grosse Verschwendung

Was im St. Jakob-Park passierte, war fussballerisch gesehen ein Verbrechen. Der FC Basel dominierte das Geschehen nach allen Regeln der Kunst, erspielte sich Chancen im Wert von 2,41 Expected Goals – und brachte keinen einzigen Ball im Kasten unter. Das ist, als würde man mit einem Ferrari im Stau stehen: technisch beeindruckend, praktisch völlig nutzlos.

Mit einer xG-Differenz von 1,59 zugunsten der Basler hätte dieses Spiel eigentlich 3:1 oder 2:0 ausgehen müssen. Stattdessen verliessen beide Teams mit je einem Punkt das Stadion – die Lausanner vermutlich grinsend, die Basler kopfschüttelnd. Der FC Lausanne-Sport bewies einmal mehr, dass sie die Kunst der Schadensbegrenzung perfekt beherrschen.

Glückspilz des Spieltags: Lugano und Sion im Doppelpack

Gleich zwei Teams teilten sich den Titel des grössten Glückspilzes: der FC Lugano und der FC Sion holten beide drei Punkte, obwohl sie nach Expected Points jeweils nur 0,5 Zähler verdient hätten. Ein Delta von +2,5 Punkten ist schon beachtlich.

Der FC Lugano machte es dabei besonders spektakulär. Mit nur 1,19 xG gegen 1,81 des Servette FC waren die Tessiner eigentlich die Unterlegenen – siegten aber trotzdem 4:2. Das ist Effizienz auf einem Level, das jeden BWL-Professor zu Tränen rühren würde. Jede Chance sass, während der Servette FC seine Gelegenheiten grosszügig an die Tribüne verteilte.

Der FC Sion im Stade de Tourbillon war nicht weniger dreist: Mit 1,48 xG gegen 2,02 des Grasshopper Club Zürich gewannen die Walliser 1:0. Die Hoppers können ein Lied davon singen, wie es sich anfühlt, die bessere Mannschaft zu sein und trotzdem leer auszugehen.

xG-Opfer: Die Tragödie von GC und Servette

Den Titel des grössten Pechvogels teilen sich der Grasshopper Club Zürich und der Servette FC – beide mit einem schmerzhaften Delta von -2,5 Punkten. Beide Teams hätten nach ihrer Leistung 2,5 Expected Points verdient, gingen aber punktelos vom Platz.

Besonders bitter ist es für die Genfer: Nach 1,81 xG gegen nur 1,19 des FC Lugano verloren sie trotzdem 2:4. Das ist, als würde man beim Monopoly ständig über "Los" gehen, aber trotzdem pleite werden. Der Servette FC reiht sich damit nahtlos in die Liste der Pechvögel dieser Saison ein – mit mittlerweile -8,5 Punkten Differenz zwischen realer und Expected-Points-Tabelle.

Ehrliche Tabellenlage: Die grossen Illusionisten

Ein Blick auf die Expected-Points-Tabelle offenbart die wahren Kräfteverhältnisse der Liga: Der FC Thun führt sowohl die offizielle als auch die ehrliche Tabelle an, hat aber selbst 16,5 Punkte zu viel auf dem Konto – der grösste Glücksritter der Liga.

Die tragischen Helden stehen dagegen weit unten: Der FC Lausanne-Sport wäre nach xP eigentlich Zweiter, steht aber nur auf Platz 9. Der Servette FC gehörte zu den Top 4, dümpelt aber auf Rang 10 herum. Und der Grasshopper Club Zürich wäre eigentlich im gesicherten Mittelfeld – statt am Tabellenende.

Der FC Lugano hat mit +21,5 Punkten Differenz seine eigene Liga erfunden. Platz 3 in der offiziellen Tabelle, aber nur Rang 11 nach Expected Points. Das ist schon fast magisch.

Ausblick: Wann schlägt Fortuna zurück?

Die Frage ist nicht ob, sondern wann die Statistik zurückschlägt. Teams wie der FC Lugano und der FC Thun leben auf grossem Fuss – aber jeder Kredit muss irgendwann zurückgezahlt werden. Die Expected Goals sind geduldig, aber nicht vergesslich.

Für die geplagten Pechvögel wie den Servette FC und den Grasshopper Club Zürich könnte die Trendwende aber auch nicht mehr weit sein. Wer so konstant unter seinen Möglichkeiten abschneidet, dem schuldet der Fussballgott noch einiges. Der nächste Spieltag wird zeigen, ob die Alchemie der Lucky Teams weiter funktioniert – oder ob die ehrliche Tabelle langsam zur Realität wird.