Spieltag 18: Der grosse Glücksrausch in der Super League

Young Boys kassiert historische Klatsche – aber statistisch war's gar nicht so schlimm

Was für ein verrückter Spieltag in der Super League! Während sich die einen die Augen reiben und fragen, ob sie richtig gelesen haben, jubeln die anderen über unverdiente Dreier. Der 18. Spieltag hatte alles: spektakuläre Tore, bittere Niederlagen und jede Menge statistisches Kopfschütteln. Besonders pikant: Drei Teams sahnen jeweils zwei Glückspunkte ab – ein seltenes Triple des Fortuna-Faktors.

Spiel der Woche: Young Boys vs. Grasshopper – Wenn 2:6 eigentlich 1:2 heisst

Das Duell zwischen dem BSC Young Boys und dem Grasshopper Club Zürich war das Spiel des Spieltags – und zwar aus allen erdenklichen Gründen. Ein 2:6-Heimdebakel für die Berner, das die Schlagzeilen dominiert. Doch die xG-Statistik erzählt eine völlig andere Geschichte: 1.43 zu 2.22 Expected Goals sprechen eine deutlich weniger drastische Sprache als das finale Resultat.

Der Grasshopper Club Zürich, der seit Wochen in der ehrlichen Tabelle um Plätze kämpft, die seinem Leistungsniveau entsprechen würden, hatte endlich mal das nötige Glück beim Abschluss. Mit einer xG-Differenz von 0.79 war ein Sieg durchaus verdient – aber sechs Tore? Das war pure Effizienz gepaart mit einer Portion Fortuna, die den Zürchern schon lange gefehlt hatte.

Für die Young Boys hingegen ist es ein Rätsel der modernen Fussball-Physik: Wie kann man bei 1.43 xG nur zwei Treffer erzielen, während der Gegner aus 2.22 Expected Goals gleich sechs Buden zaubert? Manchmal ist Fussball eben doch nur Mathematik – bis er es wieder nicht ist.

Glückspilz des Spieltags: Das Triple der Fortuna

Gleich drei Teams teilen sich den Titel des grössten Glückspilzes: der FC Lausanne-Sport, der FC Basel und der FC Lugano kassierten jeweils zwei unverdiente Punkte. Ein statistisches Kuriosum, das zeigt, wie eng es in der Liga zugeht.

Der FC Lausanne-Sport setzte sich im Genfer Derby beim Servette FC mit 1:0 durch, obwohl die Expected Goals (1.27 zu 0.93) nur knapp für die Waadtländer sprachen. Ein Treffer reichte – manchmal ist weniger eben doch mehr.

Der FC Basel gewann in der swissporarena gegen den FC Luzern mit 2:1, obwohl die Hausherren mit 1.86 xG deutlich gefährlicher waren als die Basler mit ihren 1.51 Expected Goals. Effizienz schlägt Ballbesitz – ein altes Fussball-Gesetz, das in Luzern wieder einmal bestätigt wurde.

Und der FC Lugano? Der siegte im Stadion Letzigrund gegen den FC Zürich mit 1:0, obwohl die Zürcher statistisch das bessere Team waren (1.39 zu 1.07 xG). Drei Punkte für die Tessiner, die in der ehrlichen Tabelle eigentlich gar nicht oben stehen müssten.

xG-Opfer: Zürich, Luzern und Servette leiden gemeinsam

Die andere Seite der Medaille zeigt ein Trio des Pechs: der FC Zürich, der FC Luzern und der Servette FC gingen jeweils mit einem Punkt weniger vom Platz, als ihre Leistung verdient hätte. Alle drei Teams verloren ihre Spiele, obwohl sie statistisch mindestens ein Unentschieden verdient gehabt hätten.

Besonders bitter für den FC Zürich: Im eigenen Stadion Letzigrund die besseren Chancen kreiert und trotzdem als Verlierer vom Platz gegangen. Der FC Luzern produzierte in der swissporarena sogar deutlich mehr Expected Goals als der spätere Sieger FC Basel – und bekam trotzdem nichts. Manchmal ist Fussball grausam.

Ehrliche Tabellenlage: Der grosse Schwindel wird immer offensichtlicher

Die Schere zwischen offizieller und ehrlicher Tabelle wird immer grösser. Der FC Thun führt beide Tabellen an – verdient mit 16.5 Glückspunkten Vorsprung auf die Expected Points. Doch dahinter herrscht das pure Chaos.

In der ehrlichen Tabelle würden der FC Lausanne-Sport (Platz 2 statt 9!), der FC Basel und der Servette FC deutlich höher stehen. Der FC Lausanne-Sport ist mit -8 Expected Points das grösste Pechvogel-Team der Liga – 8 Punkte weniger, als die Leistung verdient hätte.

Auf der anderen Seite steht der FC Lugano als grosser Profiteur da: Platz 3 in der offiziellen Tabelle, aber nur Platz 11 in der ehrlichen Wertung. Satte 21.5 Glückspunkte haben die Tessiner angesammelt – ein Wert, der statistisch schon fast unwahrscheinlich wird.

Der Grasshopper Club Zürich bleibt trotz des spektakulären 6:2-Sieges ein Pechvogel: 10.5 Punkte weniger, als die Leistungen über die Saison verdient hätten. Manchmal hilft auch ein Torfestival nicht gegen die grausame Statistik.

Ausblick: Wer kann das Glück halten?

Nach einem solch glücksreichen Spieltag stellt sich die Frage: Wer kann die unverdiente Beute über die Zeit retten? Die Expected Goals sind gnadenlos – früher oder später holt die Statistik jeden ein. Der FC Lugano und der FC Thun leben gefährlich hoch über ihren Verhältnissen, während Teams wie der Grasshopper Club Zürich und der FC Lausanne-Sport auf den grossen Ausgleich hoffen.

Die Rückrunde wird zeigen, ob Fortuna weiterhin ihre schützende Hand über die Glückspilze hält – oder ob die ehrliche Tabelle langsam zur offiziellen wird. In einer Liga, wo drei Teams an einem Spieltag je zwei unverdiente Punkte abgreifen, ist alles möglich. Sogar die Gerechtigkeit.