21. Spieltag: Als das Glück in der Super League verrückt spielte

Am 21. Spieltag der Super League hat Fortuna offenbar ihre Würfel aus dem Fenster geworfen und die Resultate nach dem Prinzip "anything goes" bestimmt. Während sich die einen über unverdiente Siege freuen durften, schauten andere trotz starker Leistungen in die Röhre. Ein Spieltag, der einmal mehr beweist: Fussball ist manchmal so ungerecht wie das Schweizer Steuersystem.

Spiel der Woche: FC Thun zaubert gegen die BSC Young Boys

In der Stockhorn Arena erlebten wir das Paradoxon des Spieltags schlechthin: Der FC Thun schlug die BSC Young Boys mit 4:1, obwohl die Berner mit 2.10 Expected Goals eigentlich die besseren Chancen hatten (Thun: 1.85 xG). Ein Unterschied von 0.25 xG zugunsten der Gäste, aber drei Tore Vorsprung für die Gastgeber – das ist Fussball-Alchemie in Reinform.

Die Thuner beweisen einmal mehr, warum sie aktuell die Tabelle anführen: Sie haben die magische Fähigkeit entwickelt, aus weniger mehr zu machen. Während andere Teams ihre Chancen wie Konfetti verschleudern, verwandeln die Oberländer jede halbwegs brauchbare Gelegenheit in bare Münze. Das ist entweder grossartiges Finishing oder ein Deal mit fussballerischen Übermächten.

Glückspilz des Spieltags: Dreierpack der Glückseligkeit

Gleich drei Teams teilen sich den Titel des grössten Glückspilzes: Der Servette FC, der FC Basel und just der FC Thun holten alle drei Punkte, obwohl sie laut Expected Points nur einen verdient hätten. Ein Delta von +2 – das ist, als würde man beim Lotto drei Sechser auf einmal ziehen.

Besonders pikant: Der Servette FC gewann beim FC St. Gallen mit 4:2, obwohl die Espen mit 1.69 zu 1.45 xG sogar die besseren Chancen hatten. Die Genfer zeigten eine Effizienz, die selbst Schweizer Uhrmacher neidisch werden lässt. Vier Tore aus 1.45 Expected Goals – das ist eine Konversionsrate, die jeder Online-Marketer gerne hätte.

xG-Opfer: FC Sion und das Salz in der Wunde

Der FC Sion führt die Pechvogel-Liste mit einem Delta von -1.5 an. Gegen den FC Luzern im Stade de Tourbillon dominierten die Walliser mit 1.38 zu 0.64 xG, mussten sich aber mit einem 1:1-Unentschieden begnügen. Statistisch gesehen hätten sie 2.5 Expected Points verdient, bekommen haben sie nur einen.

Das ist besonders bitter, wenn man bedenkt, dass der FC Sion eigentlich zu den ehrlicheren Teams der Liga gehört – mit einem Gesamt-Delta von nur +4.5 stehen sie deutlich näher an ihrer wahren Leistung als manch andere Mannschaft. Manchmal bestraft der Fussball eben auch die Rechtschaffenen.

Ehrliche Tabellenlage: Die grosse Umverteilung

Die ehrliche Tabelle nach Expected Points würde die Super League komplett auf den Kopf stellen. Während der FC Thun auch dort an der Spitze stünde (wenn auch mit deutlich weniger Vorsprung), wären die wahren Gewinner der FC Lausanne-Sport und der Servette FC – beide würden sich in der oberen Tabellenhälfte wiederfinden.

Der FC Lugano hingegen, aktuell auf Platz 3, würde in der xP-Tabelle abgeschlagen auf dem vorletzten Platz landen. Mit einem Glücks-Delta von 21.5 Punkten sind die Tessiner das Las Vegas der Super League – nur dass hier das Haus immer gewinnt. Umgekehrt müsste der Grasshopper Club Zürich nicht um den Abstieg bangen, sondern könnte entspannt ins Mittelfeld schauen.

Die Unterschiede sind so gravierend, dass man sich fragt, ob die Teams vielleicht in verschiedenen Paralleluniversen spielen.

Ausblick: Wird das Glück irgendwann rational?

Nach 21 Spieltagen sind wir bereits weit über die Hälfte der Saison hinaus, doch die Glücks-Verteilung zeigt noch keine Anzeichen von Normalisierung. Der FC Thun und der FC Lugano leben weiterhin gefährlich über ihre Verhältnisse, während der FC Lausanne-Sport und der Grasshopper Club Zürich hoffen müssen, dass das Pendel irgendwann zurückschwingt.

Für den 22. Spieltag steht zu erwarten, dass die Statistik früher oder später ihren Tribut fordert. Die Frage ist nur: Werden die Glückspilze ihre unverdiente Position verteidigen können, oder holt die xG-Realität sie endlich ein? In einer Liga, wo vier Tore aus 1.45 Expected Goals möglich sind, ist alles denkbar – auch das Unmögliche.