Spieltag 24: Wenn Fortuna Fussball spielt
Manchmal ist der Fussball ein Drehbuchautor mit einem sehr speziellen Humor. Da kämpfen die Teams mit ihren Expected Goals, erstellen schöne Chancen – und dann lacht das Glück und schreibt seine eigenen Geschichten. Am 24. Spieltag der Super League erlebten wir wieder einmal, warum Statistiker und Wahrsager unterschiedliche Berufe sind.
Das Spiel der Woche: Thun vs. Lausanne – Ein Torfestival aus dem Nichts
In der Stockhorn Arena ereignete sich etwas, was selbst hartgesottene xG-Apostel zum Zweifeln bringt: Der FC Thun gewann gegen den FC Lausanne-Sport mit 5:1 – bei einem Expected-Goals-Verhältnis von 2.06 zu 2.04. Das ist, als würde jemand beim Münzwurf fünfmal Kopf werfen und behaupten, er hätte das vorhergesehen.
Die Thuner verwandelten praktisch jeden Schuss in Gold, während Lausanne trotz ähnlicher xG-Werte eine Bruchlandung hinlegte. Ein Unterschied von gerade mal 0.02 Expected Goals, aber vier Tore Differenz im Endergebnis – das ist Fussball-Alchemie in Reinform. Wenn das kein Argument gegen Vorhersagbarkeit ist, dann wissen wir auch nicht.
Glückspilz des Spieltags: Drei Teams, ein gemeinsamer Traum
Manchmal ist das Glück gleichmässig verteilt – zumindest unter den Gewinnern. Der FC Thun, der FC Sion und der FC Zürich teilten sich den Titel des Glückspilzes des Spieltags, alle mit einem Delta von +2 Punkten gegenüber ihren Expected Points.
Der FC Sion setzte sich im Stade de Tourbillon gegen den FC Basel mit 2:0 durch, obwohl die xG-Werte (2.14 zu 1.69) ein knapperes Ergebnis suggerierten. Die Walliser nutzten ihre Heimstärke und die Höhenluft optimal aus. Der FC Zürich wiederum besiegte im Stadion Letzigrund den FC Winterthur mit 3:0, obwohl das Expected-Goals-Verhältnis von 1.29 zu 1.1 eher ein 1:0 oder 1:1 erwarten liess. Manchmal ist Effizienz eben alles.
xG-Opfer: Servette und das Trauma des Unentschiedens
Das grösste Pech erwischte den Servette FC mit einem Delta von -1.5 Punkten. Im Stadio di Cornaredo erkämpften sie sich ein 1:1 gegen den FC Lugano, obwohl ihre Expected Goals von 1.29 gegenüber Luganos 0.45 eigentlich einen klaren Sieg voraussagten. Das ist besonders bitter, da der Genfer Traditionsverein ohnehin schon zu tief in der Tabelle steht.
Der FC Basel und der FC Winterthur gesellten sich mit je -1 Punkt Delta zu den Pechvögeln des Spieltags. Basel verlor trotz ordentlicher Chancenkreierung in Sion, während Winterthur in Zürich leer ausging, obwohl die xG-Werte ein ausgeglicheneres Spiel suggerierten.
Ehrliche Tabellenlage: Der grosse Betrug wird immer offensichtlicher
Die Diskrepanz zwischen offizieller und xP-Tabelle erreicht mittlerweile groteske Ausmasse. Der FC Thun führt zwar beide Tabellen an, aber mit 16.5 Punkten mehr als verdient – ein Glücksvorsprung, der langsam Lottogewinn-Dimensionen annimmt.
Noch extremer: Der FC Lugano steht auf Platz 3 der offiziellen Tabelle, würde aber in der ehrlichen Tabelle auf Platz 11 abstürzen. Mit 21.5 Punkten mehr als verdient sind die Tessiner der Beweis dafür, dass man auch ohne grosse Leistung weit kommen kann.
Am anderen Ende das Trauerspiel: Der FC Lausanne-Sport wäre bei gerechter Punkteverteilung Zweiter statt Neunter (-8 Punkte), der Servette FC Vierter statt Zehnter (-8.5 Punkte). Hier wird Leistung regelrecht bestraft.
Ausblick: Das Kartenhaus wackelt
Mit zwölf Spieltagen vor Schluss wird es immer schwieriger, die Realität zu ignorieren. Die Expected Points zeigen deutlich, welche Teams nachhaltig gut spielen und welche nur von Fortuna getragen werden.
Besonders spannend: Kann sich der FC Thun sein Märchen bis zum Schluss bewahren, oder holt die statistische Gerechtigkeit auch sie ein? Und schaffen es die wahren Leistungsträger wie Lausanne und Servette noch, ihre verdienten Plätze zu erobern?
Der nächste Spieltag wird zeigen, ob das Glück weiterhin so ungleich verteilt bleibt – oder ob die Expected Goals endlich ihre Berechtigung als Vorhersage-Instrument unter Beweis stellen können.