Der Alchemie-Preis der Super League: Wie man aus 1,97 xG drei Punkte zaubert

Ein Spieltag der magischen Verwandlungen

Am 33. Spieltag der Super League verwandelte sich die Schweiz in ein Laboratorium für Fussball-Alchemie. Während die einen Teams ihre Expected Goals in Gold verwandelten, verbrannten andere ihre Chancen zu Asche. Der FC Thun führte dabei die Meisterklasse im Unmöglichen vor – und festigte seine Position als wahrscheinlich glücklichstes Team der Schweizer Fussballgeschichte.

Spiel der Woche: Thuner Hexenwerk in der Stockhorn Arena

Der FC Thun bewies gegen den FC Basel (3:1), dass Mathematik manchmal einfach Quatsch ist. Mit nur 1,97 xG holten die Berner Oberländer drei Punkte gegen einen FC Basel, der mit 1,78 xG eigentlich ebenbürtig war. Die xG-Differenz von lächerlichen 0,19 zugunsten Thuns reichte für einen komfortablen Dreier. Man könnte meinen, in der Stockhorn Arena haben sie einen geheimen Pakt mit den Fussballgöttern geschlossen – oder das Tor ist einfach einen halben Meter breiter als anderswo. Der FC Basel darf sich derweil fragen, ob sie ihre Stürmer beim Torschuss-Training mit verbundenen Augen üben lassen.

Glückspilz des Spieltags: Thun bleibt Thun

Wen überrascht es noch? Der FC Thun sahnt erneut ab und holt drei Punkte, obwohl sie laut Expected Points nur einen verdient hätten. Das Delta von +2,0 Punkten zum erwarteten Wert ist schon fast frech. Mit unglaublichen 74 Punkten aus Spielen, die eigentlich nur 52,5 Punkte wert waren, führen sie nicht nur die offizielle Tabelle an – sie sprengen auch jede Logik. Bei dieser Glückssträhne sollten die Thuner vielleicht weniger Zeit im Trainingszentrum und mehr im Casino verbringen.

Bemerkenswert ist auch der Grasshopper Club Zürich, der mit dem gleichen magischen Delta von +2,0 seine Punkte verdoppelte. Das 2:0 gegen den FC Winterthur war mit 1,29 zu 0,98 xG zwar verdient, aber die Art der Umsetzung grenzte an Effizienz-Porn.

xG-Opfer: St. Gallens bittere Pille

Der FC St. Gallen kassierte die härteste Reality-Check des Spieltags. Mit 2,5 Expected Points sollte das 2:2 gegen den FC Luzern eigentlich ein Sieg werden – heraus kam ein magerer Punkt. Das Delta von -1,5 schmerzt besonders, weil die Ostschweizer mit 1,59 xG deutlich mehr Torgefahr ausstrahlten als die Innerschweizer (0,95 xG). In der swissporarena wurden an diesem Tag offenbar die falschen Gebete gesprochen.

Ehrliche Tabellenlage: Die grosse Umwälzung

Die ehrliche xP-Tabelle zeigt ein völlig anderes Bild als die offizielle Rangliste. Der FC Thun würde zwar auch hier führen, aber mit realistischen 52,5 statt märchenhaften 74 Punkten. Die wahren Gewinner der Saison heissen der FC Sion (Platz 2 in der xP-Tabelle), der Servette FC und der FC Lausanne-Sport (beide auf geteiltem Platz 3) – alle drei Teams, die in der realen Tabelle weit unter ihren Möglichkeiten stehen.

Der dramatischste Fall bleibt der FC Lugano: Real auf Platz 3, ehrlich auf Platz 11. Mit 23 Glückspunkten über dem erwarteten Wert sind sie der leistungsmässig drittschlechteste Verein der Liga, der aber trotzdem um internationale Plätze kämpft. Eine Saison, die Statistiker nachts nicht schlafen lässt.

Ausblick: Die Endspurt-Lotterie geht weiter

Mit nur drei verbleibenden Spieltagen wird spannend, ob die Glücksblasen platzen oder bis zum Ende halten. Der FC Thun hat mit 21,5 Glückspunkten ein Polster aufgebaut, das selbst bei totaler Pechsträhne für den Titel reichen könnte. Doch die Wahrscheinlichkeitsrechnung ist gnadenlos: Irgendwann zahlt die Mathematik ihre Schulden ein.

Für Teams wie den Servette FC oder den FC Lausanne-Sport ist es eine bittere Pille, dass sie trotz ligaweit bester Leistungen unter dem Strich stehen. Aber hey – im Fussball zählen bekanntlich nur die Punkte, nicht die Expected Points. Auch wenn letztere manchmal das ehrlichere Bild der Realität zeichnen.