Die grosse Umverteilung: Wenn der Zufall in Cornaredo und am Kybunpark die Rollen tauscht
Hook-Intro
Es gibt Spieltage, da könnte man meinen, der Fussballgott hätte sich verzockt und aus Versehen alle Glückskekse an dieselbe Adresse geschickt. Spieltag 4 der Super League war so ein Tag: Der FC Lugano schoss vier Tore, kassierte aber laut xG eigentlich eine Lehrstunde von St. Gallen. Derweil stand Zürich mit leeren Händen und einer ehrlichen Leistung da, die niemand goutierte. Willkommen in der Parallelwelt, in der Ergebnisse und Verdienst sich gegenseitig ignorieren.
Spiel der Woche
Das Spitzenspiel der Verzerrung fand in Cornaredo statt: FC Lugano 4:1 FC St. Gallen. Klingt nach einer Gala-Vorstellung der Tessiner – bis man auf die xG-Werte schaut. St. Gallen erspielte sich 2.31 erwartete Tore, Lugano gerade mal 1.41. Die Gäste haben quasi das bessere Spiel gemacht und trotzdem die schlechtere Rückfahrt angetreten. Eine xG-Differenz von 0.9 zugunsten der Auswärtsmannschaft – und trotzdem drei Punkte für den Gastgeber. Das ist nicht Fussball, das ist Alchemie.
Glückspilz des Spieltags
Wer hätte es gedacht: Der FC Lugano ist mal wieder der Preisträger der Woche. Mit nur 0.5 erwarteten Punkten holte man den vollen Ertrag von 3 Zählern – ein Delta von +2.5, das die Konkurrenz vor Neid erblassen lässt. Damit setzt sich ein Muster fort, das man langsam nicht mehr Zufall nennen kann: Lugano führt die offizielle Tabelle mit 22 Punkten an, während man in der xP-Tabelle nur auf Platz 4 rangiert – satte 9 Punkte Differenz zur Realität. Das Tessiner Wunder hält an, aber die Statistik-Polizei ist ihm längst auf den Fersen.
Dicht dahinter reihen sich Servette und der FC Basel ein, beide mit einem Delta von +2. Basel gewann in Zürich 2:1, obwohl beide Teams nahezu identische xG-Werte hatten (1.64 zu 1.56) – ein Sieg, der eigentlich ein Unentschieden hätte sein sollen.
xG-Opfer
Der Pechvogel der Woche trägt Grün-Weiss: FC St. Gallen. Mit 2.5 erwarteten Punkten ging man leer aus – ein Delta von -2.5, das schmerzt. St. Gallen führt deshalb auch die xP-Tabelle an, während man offiziell nur auf Rang 6 herumdümpelt. Sieben Punkte Differenz zwischen Wahrheit und Wirklichkeit – das ist der grösste Bruch der gesamten Liga.
Auch der FC Zürich und der FC Thun dürfen sich zu den Geprellten zählen: Beide gingen leer aus, obwohl sie jeweils einen erwarteten Punkt eingefahren hätten. Besonders bitter für Zürich: Die Niederlage gegen Basel im eigenen Stadion Letzigrund war laut xG eigentlich ein Münzwurf-Spiel.
Ehrliche Tabellenlage
Die offizielle Tabelle und die xP-Tabelle könnten unterschiedlicher kaum sein. Ganz oben thront der FC Lugano mit 22 Punkten – in der ehrlichen Welt würde man ihn hinter St. Gallen, Sion und den Young Boys nur auf Rang 4 einsortieren. Der FC Basel, offiziell Vierter mit 13 Punkten, müsste sich in der xP-Tabelle mit Rang 10 begnügen – ein Abrutsch um sechs Plätze, der zeigt, wie sehr die Ergebnisse dort von der Realität abweichen.
Auf der anderen Seite wartet St. Gallen im Kybunpark auf Gerechtigkeit: Statt Rang 6 stünde man laut xP ganz oben. Auch Servette hat es nicht leicht – offiziell Fünfter, verdient hätte man sich aber locker Platz 5 in der xP-Welt, wo man ebenfalls auf Position 5 landet, allerdings mit deutlich mehr Anspruch auf noch höhere Weihen.
Bemerkenswert stabil bleiben Sion und die Young Boys: Beide Teams stehen in beiden Tabellen fast identisch da – Sion auf Platz 2, YB auf Platz 3. Hier stimmen Anspruch und Wirklichkeit überein, was in dieser chaotischen Liga fast schon verdächtig ist.
Ausblick
Die grosse Frage vor dem nächsten Spieltag: Wie lange hält Luganos Dauer-Glücksträhne noch an? Mit einem Delta von +9 über die Saison ist man längst reif für die Korrektur – die Fussballgötter pflegen solche Rechnungen irgendwann zu begleichen. St. Gallen wiederum wartet weiter auf den Tag, an dem die xG-Werte sich endlich in echte Punkte verwandeln. Und Zürich? Die Stadtzürcher könnten bald merken, dass gute Chancen irgendwann auch mal reinfallen müssen – Gesetz der Serie, sagt man so schön. Bis dahin bleibt die ehrliche Tabelle die einzige Wahrheit, die zählt – auch wenn sie in den Kiosken noch nicht gedruckt wird.