Basel würfelt sich zum Glücksritter, während Zürich im eigenen Stadion verhungert
Hook-Intro
Die Schweizer Super League hat am 4. Spieltag mal wieder bewiesen, dass Fussball manchmal weniger mit Können und mehr mit einer gezinkten Münze zu tun hat. Während der BSC Young Boys seine Tabellenführung mit einer Souveränität zementiert, die sogar die xG-Statistik goutiert, dürfen sich andere Klubs fragen, ob sie vielleicht besser Lottoscheine ausfüllen sollten, statt Fussball zu spielen. Und dann ist da noch der FC Zürich, der im eigenen Stadion so tat, als hätte man ihm die Schuhe geklaut. Willkommen zum ehrlichen Blick auf einen Spieltag voller Ungerechtigkeiten.
Spiel der Woche
Es musste kein Spektakel mit zehn Toren sein, um die grösste Geschichte des Spieltags zu schreiben – manchmal reicht auch ein 1:2 im Stadion Letzigrund. Der FC Zürich empfing den FC Basel, und rein statistisch hätte man ein enges, fast schon symmetrisches Duell erwarten dürfen: 1,56 xG für die Hausherren gegen 1,64 xG für die Gäste. Ein hauchdünner xG-Vorsprung für Basel, mehr nicht. Doch auf dem Rasen wurde daraus ein Ergebnis, das dem FC Zürich schlicht keine müde Punkte liess. Der FC Basel nahm mit, was ihm die Fussballgötter anboten, und reiste mit drei Punkten aus Zürich ab – bei einem xG-Wert, der eigentlich nur für ein Unentschieden gereicht hätte.
Glückspilz des Spieltags
Wenn es einen Verein gibt, der diesen Spieltag mit einem breiten Grinsen abschliessen darf, dann ist es der FC Basel. Mit gerade einmal 1,0 erwarteten Punkten ging man ins Spiel – herausgekommen sind drei reale Punkte. Ein Delta von +2,0 spricht eine deutliche Sprache: Basel hat sich diesen Sieg nicht erspielt, sondern eher erobert wie ein Lottogewinn mit Signatur. Auch der BSC Young Boys und der FC Luzern dürfen sich mit einem Delta von jeweils +0,5 über etwas zusätzliches Glück freuen, aber das ist im Vergleich zu Basels Coup fast schon Kleingeld.
xG-Opfer
Der FC Zürich ist der grosse Verlierer dieses Spieltags – und das nicht nur auf dem Papier. Mit einem erwarteten Punktewert von 1,0 ging man leer aus, ein Delta von -1,0 macht den FCZ zum unglücklichsten Team der Runde. Doch die eigentliche Tragödie liegt tiefer: Servette FC, aktuell zwar nicht im direkten Spielgeschehen dieses Spieltags aktiv, aber in der Saisonbilanz das grosse Sorgenkind der ehrlichen Tabelle. Mit einem Gesamt-Delta von -4,5 ist Servette der Pechvogel der bisherigen Saison schlechthin – ein Team, das spielt wie ein Champions-League-Kandidat, aber dasteht wie ein Abstiegskandidat.
Ehrliche Tabellenlage
Wer die offizielle Tabelle mit der xP-Tabelle vergleicht, erlebt eine kleine Bergtour der Gefühle. Der FC Basel thront offiziell auf Platz 3 mit 9 Punkten, in der ehrlichen xP-Welt würde er aber nur auf Platz 6 mit mageren 5 xPoints landen – ein Unterschied von satten 4 Punkten, der stark nach geliehenem Glück riecht. Ähnlich sieht es beim FC Lugano aus, der mit +3 Diff ebenfalls deutlich besser dasteht, als es die Chancenverwertung eigentlich hergibt.
Auf der anderen Seite der Medaille: Servette FC. Offiziell nur Achter mit 3 Punkten, würde der Genfer Klub in der xP-Tabelle sensationell auf Platz 2 mit 7,5 xPoints stehen. Das ist keine kleine Diskrepanz, das ist eine fussballerische Beleidigung. Auch der FC Lausanne-Sport (offiziell Sechster, xP-technisch nur Neunter) und der FC Zürich zeigen, dass die Tabelle oft lügt wie ein schlechter Krimi.
Der BSC Young Boys bleibt derweil das einzige Team, bei dem offizielle Tabelle und xP-Tabelle harmonieren – Rang 1 hier wie dort, mit einem soliden Diff von +1,5. Das STADE DE SUISSE Wankdorf Bern scheint tatsächlich ein Ort zu sein, an dem Leistung und Ergebnis noch etwas miteinander zu tun haben.
Ausblick
Noch sind nicht alle Partien des Spieltags gespielt – die Tabelle bleibt also vorläufig ein Zwischenstand mit offenen Fragen. Doch eines zeichnet sich bereits ab: Wenn der FC Basel sein Glückslos nicht bald einlöst und stattdessen anfängt, seine xG-Zahlen in echte Substanz zu verwandeln, drohen böse Erwachen. Und Servette FC? Die Genfer sollten sich eigentlich keine Sorgen machen – zumindest nicht, wenn die Fussballwelt gerecht wäre. Ist sie aber bekanntlich nicht. Der nächste Spieltag wird zeigen, ob sich das Pendel endlich zurückschwingt oder ob die Schweizer Liga weiterhin ihr eigenes kleines Glücksspiel veranstaltet.