Genfer Glückspech-Marathon und die Lugano-Lotterie geht in die nächste Runde
Fünf Tore, viele Fragezeichen: Der Spieltag im Schnellcheck
Wer am fünften Spieltag der Super League geglaubt hat, die Tabelle zeige die Wahrheit, wurde eines Besseren belehrt. Sechs Spiele, sechs kleine Dramen – und am Ende steht der FC Lugano mit zwölf Punkten an der Spitze, obwohl die xG-Zahlen eine ganz andere Geschichte erzählen. Willkommen bei "ehrlichetabelle.com", wo wir nicht fragen, wer gewonnen hat, sondern wer es eigentlich verdient hätte.
Spiel der Woche: Servette gegen Luzern – ein 1:1, das keiner verdient hat (ausser Servette)
Die grösste xG-Diskrepanz des Spieltags lieferte ausgerechnet ein 1:1. Der Servette FC dominierte im Stade de Genève nach Belieben und kam auf 2,46 xG – der FC Luzern brachte gerade einmal 0,76 xG zustande. Trotzdem trennte man sich unentschieden, und Servette blieb mit nur einem Punkt zurück, obwohl statistisch gesehen fast drei drin gewesen wären. Ein Lehrstück darüber, wie viel Fussball mit Abschlussglück – oder eben Pech – zu tun hat.
Glückspilz des Spieltags: Der FC Thun und der FC Lugano teilen sich das Losglück
Gleich zwei Teams stechen bei den Glückskindern hervor: Der FC Thun gewann bei Sankt Gallen mit 4:3, obwohl die Gäste nur 1,09 xG produzierten – gegen 2,52 xG der Hausherren. Drei Punkte für 0,5 erwartete Punkte, das nennt man wohl einen guten Tag im Büro. Genauso glücklich unterwegs war der FC Lugano, der beim FC Sion mit 2:1 gewann, obwohl man dort nur 1,01 xG auf den Rasen brachte gegen 2,01 xG der Walliser. Auch hier: drei Punkte für 0,5 erwartete Punkte. Der FC Lugano bleibt damit seiner Rolle als Dauergast in der Glücksliste treu – Tabellenplatz eins, aber xP-Rang fünf. Man könnte fast sagen, das Stadio di Cornaredo hat einen Deal mit dem Fussballgott.
xG-Opfer: Sankt Gallen und Sion, die zwei traurigsten Gesichter des Spieltags
Auf der anderen Seite der Medaille finden wir gleich zwei Vereine mit demselben Pech-Delta von -2,5. Der FC St. Gallen erspielte sich im Kybunpark stolze 2,52 xG, ging aber mit leeren Händen vom Platz – 0 Punkte für 2,5 erwartete Zähler. Genauso bitter erwischte es den FC Sion, der gegen Lugano zwar mehr Torgefahr entwickelte, aber ebenfalls punktlos blieb. Beide Teams dürfen sich zu Recht fragen, ob der Fussballgott an diesem Wochenende einfach Kaffeepause hatte.
Ehrliche Tabellenlage: Wenn die Wahrheit ganz anders aussieht
Die offizielle Tabelle sagt: Der FC Lugano führt mit 12 Punkten, satte 5,5 Punkte vor seinem xP-Wert von 6,5. Das ist der grösste Ausreisser der Liga – Tabellenplatz eins bei Punkten, aber nur Rang fünf bei xP. Auch der FC Basel steht mit einem Plus von 4,5 ordentlich über seinen Verhältnissen.
Ganz anders sieht es bei Servette aus: Mit nur vier Punkten liegt der Verein auf Platz zehn, dabei würde die xP-Tabelle den Genfern satte zehn Punkte und Rang zwei zusprechen. Ein Unterschied von sechs Punkten – der grösste Ausreisser nach unten in der gesamten Liga. Auch der FC St. Gallen und der FC Sion stehen mit -1,5 bzw. -2,5 spürbar schlechter da, als es ihre Leistung verdient hätte.
Einzig der BSC Young Boys bleibt von der ganzen Glücks-Lotterie verschont: Mit 11 Punkten bei 11 erwarteten Punkten ist man das einzige Team der Liga, bei dem Fussballgott und Tabelle exakt übereinstimmen. Langweilig? Vielleicht. Ehrlich? Definitiv.
Ausblick: Wird die Lugano-Blase platzen?
Die grosse Frage vor dem nächsten Spieltag: Wie lange kann sich der FC Lugano noch auf sein Losglück verlassen? Mit einem xP-Wert, der ihn nur auf Rang fünf sehen würde, drohen früher oder später die Korrekturen. Servette hingegen hat allen Grund zur Hoffnung – wer konstant über 2 xG produziert, wird über kurz oder lang auch die passenden Ergebnisse einfahren. Und für Sankt Gallen sowie Sion gilt: Weiter Chancen kreieren, dann kippt auch das Pech irgendwann. Die Tabelle lügt eben – zumindest ein bisschen, zumindest noch.