Glückssache Schweizer Fussball: Wenn die Kugel zum Lottoball wird

Der 6. Spieltag der Super League hätte ebenso gut in einem Casino stattfinden können. Während die ehrlichen Zahlen eine Geschichte erzählen, schreibt die offizielle Tabelle ein ganz anderes Märchen. Am deutlichsten wird das beim Duell zwischen dem FC Zürich und dem Servette FC – hier verwandelte sich Pech in Glück und umgekehrt.

Spiel der Woche: FC Zürich vs. Servette FC – Wenn xG-Werte trügen

Im Stadion Letzigrund ereignete sich am 6. Spieltag ein Paradebeispiel dafür, warum Fussball das schönste aller Glücksspiele ist. Der FC Zürich gewann 2:1 gegen den Servette FC, obwohl die Expected Goals ein völlig anderes Bild zeichneten: 1.65 zu 2.49 für die Gäste aus Genf. Eine xG-Diskrepanz von satten 0.84 zugunsten der Genfer.

Der Servette FC dominierte das Spiel nach allen statistischen Regeln der Kunst, hätte bei normaler Chancenverwertung mit 2.5 Expected Points nach Hause fahren sollen – stattdessen gingen sie leer aus. Der FC Zürich hingegen verwandelte seine bescheideneren Möglichkeiten eiskalt und sammelte drei Punkte, obwohl nur 0.5 Expected Points drin gewesen wären. Ein Delta von 2.5 Punkten zugunsten der Zürcher – das ist Effizienz der extraklasse oder schlicht Glück pur.

Glückspilz des Spieltags: FC Zürich – Die Kunst der kalten Dusche

Sprechen wir es aus: Der FC Zürich war der absolute Glückspilz des 6. Spieltags. Mit einem Delta von +2.5 zwischen realen Punkten und Expected Points zeigten die Zürcher, wie man aus wenig viel macht. 1.65 xG reichten für drei Punkte, während der Gegner trotz 2.49 xG leer ausging.

Das ist die Art von Effizienz, die Statistiker zur Weissglut treibt und Fans zu Tränen rührt. Der FC Zürich steht mit 31 Punkten auf Rang 8, obwohl die xP-Tabelle sie mit 31.5 Punkten praktisch identisch einschätzt. Die Zürcher sind damit eines der wenigen Teams, die ziemlich genau dort stehen, wo sie nach Leistung hingehören – wenn man den Gesamtsaisonverlauf betrachtet.

xG-Opfer: Servette FC – Wenn Genfer Präzision im Abseits steht

Das Leiden des Servette FC ist fast schon tragisch. Am 6. Spieltag hätten sie 2.5 Expected Points verdient, gingen aber mit null Zählern nach Hause. Ein Delta von -2.5 Punkten – das tut weh. Und es ist symptomatisch für die gesamte Saison der Genfer.

Der Servette FC steht mit 28 Punkten auf dem 10. Rang, obwohl sie nach Expected Points mit 36.5 Punkten auf Rang 4 gehören würden. Eine Diskrepanz von -8.5 Punkten über die gesamte Saison – nur der Grasshopper Club Zürich (-10.5) und der FC Lausanne-Sport (-8) sind noch grössere xG-Opfer. Die Genfer sind das Paradebeispiel dafür, dass schöner Fussball nicht automatisch Punkte bedeutet. Sie spielen oft gut, werden aber vom Fussballgott konsequent bestraft.

Ehrliche Tabellenlage: Thun oben, aber nicht allein

Die offizielle Tabelle zeigt den FC Thun souverän an der Spitze mit 58 Punkten. Doch auch in der xP-Tabelle führen die Berner Oberländer mit 41.5 Expected Points – ein Glücksbonus von +16.5 Punkten. Das ist beeindruckend viel Glück, aber sie führen trotzdem verdient.

Die grössten Profiteure des Glücks sind aktuell der FC Lugano (+21.5) und der FC St. Gallen (+13.5). Der FC Lugano steht auf Rang 3 mit 46 Punkten, gehört nach Expected Points aber auf Rang 11 mit nur 24.5 Punkten. Das ist Glück in seiner reinsten Form.

Die grössten Pechvögel bleiben der Grasshopper Club Zürich (-10.5), der Servette FC (-8.5) und der FC Lausanne-Sport (-8). Alle drei Teams würden in einer xP-Tabelle deutlich besser dastehen. Die Hoppers beispielsweise wären mit 31.5 Expected Points im gesicherten Mittelfeld statt auf dem vorletzten Platz.

Ausblick: Das Glück ist ein Vogerl

Der 6. Spieltag hat wieder einmal bewiesen: Im Schweizer Fussball ist das Glück ungleich verteilt. Während Teams wie der FC Thun und der FC Lugano weiterhin von ihrem Bonus zehren, müssen der Servette FC und die Grasshoppers hoffen, dass sich das Glück irgendwann wendet.

Für den nächsten Spieltag gilt: Die xG-Zahlen vergessen nicht. Teams, die konstant mehr Expected Goals generieren als ihre Gegner, werden früher oder später belohnt. Umgekehrt holt das Pech auch die grössten Glückspilze irgendwann ein. Die Frage ist nur: Wann platzt die Seifenblase? Der FC Lugano mit seinem extremen Glücksbonus von +21.5 Punkten steht dabei besonders im Fokus. Können sie ihr märchenhaftes Jahr fortsetzen, oder schlägt die Statistik zurück?

Eines ist sicher: In der Super League ist nichts sicher – ausser dass die Expected Goals früher oder später Recht bekommen.