Wenn Basel viermal trifft und trotzdem nur Zweiter der Wahrheit bleibt

Hook-Intro

Die Schweizer Super League hat wieder einmal bewiesen, dass Fussball kein Ponyhof ist, sondern eher ein Casino mit Rasenheizung. Sechs Spiele, sechs kleine Dramen – und am Ende des Spieltags klafft zwischen dem, was auf dem Papier steht, und dem, was die xG-Kurve sagt, eine Lücke so gross wie der Röstigraben selbst. Der FC Lugano thront weiter an der Spitze, doch wehe, man schaut genauer hin.

Spiel der Woche

Die grösste xG-Diskrepanz des Spieltags lieferte ausgerechnet die Partie zwischen dem FC Lausanne-Sport und dem Servette FC im Stade de la Tuilière. Die Lausanner erspielten sich xG-Werte von 1.94 – deutlich mehr als die Genfer mit ihren müden 1.07 – und standen am Ende trotzdem mit leeren Händen da. 0:1 lautete das Endresultat, ein Ergebnis, das der Realität der Chancenverwertung ins Gesicht schlägt. Servette nahm mit, was es kriegen konnte, und das war in diesem Fall: alles.

Knapp dahinter reiht sich das Spektakel im Kybunpark ein, wo der FC St. Gallen gegen den FC Sion trotz eines xG-Wertes von 2.29 – dem höchsten des gesamten Spieltags – sang- und klanglos mit 0:3 unterging. Ein Debakel, das in der xG-Tabelle wie ein Hohn wirkt.

Glückspilz des Spieltags

Zwei Teams teilen sich die Krone des grössten Glücks: der Servette FC und der FC Sion, beide mit einem Delta von +2.5. Servette holte drei Punkte bei einer erwarteten Ausbeute von gerade einmal 0.5 xP – effizienter geht Zweckoptimismus kaum. Der FC Sion legte in St. Gallen nach demselben Muster nach: volle Punktzahl bei mickrigen 0.5 erwarteten Zählern.

Nicht zu vergessen: der FC Basel, der beim 4:2-Erfolg gegen den FC Luzern zwar "nur" ein Delta von +2 einfährt, dafür aber der grosse Gewinner der Saisonbetrachtung ist. Mit 13 Punkten bei nur 7.5 xPoints führt Basel die Liste der Overperformer mit stolzen 5.5 Punkten Vorsprung zur Realität an. Man könnte sagen: Der FCB spielt Fussball wie andere Lotto – selten schön, aber gewinnbringend.

xG-Opfer

Hier treffen sich zwei gebrochene Herzen: der FC St. Gallen und der FC Lausanne-Sport, beide mit einem Delta von -2.5. St. Gallen erspielte sich 2.29 xG, stand aber am Ende mit null Punkten da – ein Spieltag, der wehtut wie ein Bänderriss in der Nachspielzeit. Lausanne erging es nicht besser: 1.94 xG, aber wieder nichts Zählbares.

Und dann ist da noch der FC Thun, der beim knappen 0:1 gegen den Grasshopper Club Zürich mit 1.80 xG durchaus verdient hätte, etwas mitzunehmen – tat es aber nicht. Ein Delta von -1 reiht sich nahtlos in die Thuner Pechsträhne der Saison ein, wo die Stockhorn Arena zunehmend zum Ort der verpassten Gelegenheiten wird.

Ehrliche Tabellenlage

Wer sich die offizielle Tabelle anschaut, sieht den FC Lugano ganz oben – 19 Punkte, stolze 6.5 mehr als die xPoints erlauben würden. Das Tessiner Wunder hält also weiter an. Die ehrliche xP-Tabelle sieht die Sache anders: Dort führt der BSC Young Boys mit 15 xPoints, nur einen Punkt hinter den tatsächlichen 16 Zählern – das bislang seriöseste Team der Liga.

Besonders bitter trifft es den FC St. Gallen: Offiziell nur Fünfter mit 10 Punkten, in der xP-Tabelle aber die Nummer zwei mit 14.5 erwarteten Punkten. Ein Klub, der spielt wie ein Champions-League-Kandidat und dasteht wie ein Abstiegskandidat. Ähnlich das Bild bei Servette: Offiziell Neunter, in der xP-Wertung aber Fünfter – die Realität sagt, dieses Team hat mehr verdient, als die Tabelle zeigt.

Der FC Basel dagegen thront offiziell auf Platz vier, würde nach xP aber nur auf Platz neun stehen. Wer regelmässig ehrlichetabelle.com liest, weiss: Solche Diskrepanzen halten sich selten über eine ganze Saison.

Ausblick

Die grosse Frage vor dem nächsten Spieltag: Wie lange kann der FC Lugano seine 6.5 Punkte Vorsprung auf die eigene Leistung verteidigen, bevor die Statistik zuschlägt? Und ob der FC Basel seine Wundertüten-Serie fortsetzt oder endlich auf dem Boden der xG-Tatsachen landet? Für den FC St. Gallen und den FC Lausanne-Sport gilt derweil: Wer weiter so gute Chancen kreiert, wird früher oder später auch wieder belohnt – so viel Gerechtigkeit muss die Statistik am Ende bringen. Zumindest auf ehrlichetabelle.com.