Spieltag 9: Das grosse Schweizer Glücks-Roulette dreht sich weiter
Die ehrlichen Tabellen verraten uns Woche für Woche die ganze Wahrheit – und diese Wahrheit ist manchmal schöner als die Realität, manchmal aber auch brutaler. Am 9. Spieltag der Super League zeigte sich einmal mehr: Fortuna ist eine launische Dame, die ihre Gunst gerne ungleich verteilt. Während einige Teams weiterhin ihre Lucky Streaks reiten, müssen andere bitter erfahren, was es heisst, bessere Leistung zu zeigen als die Tabelle widerspiegelt.
Spiel der Woche: Basel zeigt, wie's geht
Im St. Jakob-Park führte der FC Basel vor, wie man Expected Goals in reale Tore ummünzt. Mit einem beeindruckenden 3:0 gegen den FC Winterthur und einem xG-Wert von 2.7 zu 0.88 war dies das ehrlichste Ergebnis des Spieltags. Hier stimmte einfach alles: Die Basler dominierten nicht nur statistisch, sondern setzten ihre Überlegenheit auch konsequent in Tore um. Ein Lehrbuchbeispiel dafür, dass die xG-Philosophie manchmal doch aufgeht – wenn auch viel zu selten in dieser Liga.
Der FC Winterthur hingegen bestätigte seine prekäre Lage: Mit nur 0.88 xG blieb das Team aus der Eulachstadt praktisch chancenlos. Die Realität ist hier sogar noch ernüchternder als die ehrliche Tabelle vermuten lässt.
Glückspilz des Spieltags: Das heilige Dreigestirn des Glücks
Gleich drei Teams teilten sich die Glückspilz-Krone des 9. Spieltags: Der FC St. Gallen, der FC Sion und der FC Lugano holten je drei Punkte, obwohl sie nach xG-Berechnung nur einen Expected Point verdient hätten. Ein Delta von +2 für jeden – das ist schon bemerkenswert.
Besonders pikant: Der FC St. Gallen siegte bei den BSC Young Boys mit 2:1, obwohl das xG nur minimal zu den Gästen sprach (1.86 zu 1.58). Manchmal reicht eben ein Hauch mehr Effizienz vor dem Tor. Der FC Lugano im Stadio di Cornaredo und der FC Sion im Stadion Letzigrund zeigten ähnliche Kaltschnäuzigkeit und verwandelten knappe xG-Vorteile in drei goldene Punkte.
xG-Opfer: Das Pech-Trio leidet weiter
Auf der anderen Seite des Glücksspektrums finden wir gleich drei Leidensgenossen: Der Servette FC, der FC Zürich und der Grasshopper Club Zürich mussten alle mit leeren Händen vom Platz, obwohl sie nach Expected Points jeweils einen Zähler verdient hätten.
Besonders bitter für den Grasshopper Club Zürich: Das 0:1 gegen den FC Sion im Stadion Letzigrund war das gefühlt hundertste Spiel dieser Saison, in dem die Hoppers mehr Expected Goals (0.99) als reale Tore (0) produzierten. Mit einem Gesamt-Delta von -10.5 Punkten sind sie das traurigste Beispiel dafür, wie man trotz ordentlicher Leistungen im Tabellenkeller landen kann.
Ehrliche Tabellenlage: Die grosse Umverteilung
Die ehrliche Tabelle nach Expected Points offenbart weiterhin drastische Ungerechtigkeit: Der FC Thun thront zwar sowohl offiziell als auch nach xP an der Spitze, aber sein Vorsprung von 16.5 Punkten auf die Expected Points zeigt, dass hier eine Glücksserie sondergleichen am Werk ist.
Der FC Lausanne-Sport wäre in der ehrlichen Tabelle Zweiter (38 xP), steht aber offiziell nur auf Platz 9 – ein Drama in acht Akten, das wöchentlich fortgeschrieben wird. Ähnlich bitter ergeht es dem Servette FC (4. nach xP, 10. offiziell) und dem Grasshopper Club Zürich (10. nach xP, 11. offiziell).
Auf der anderen Seite des Spektrums nutzen der FC Lugano (+21.5) und der FC St. Gallen (+13.5) ihre Glückssträhnen gnadenlos aus. In der ehrlichen Tabelle wären sie deutlich weiter hinten – der FC Lugano sogar nur auf Platz 11 statt offiziell auf Rang 3.
Ausblick: Wird das Glück endlich gerechter?
Mit 27 von 36 Spieltagen noch vor der Brust bleibt genug Zeit für statistische Gerechtigkeit. Die Frage ist: Wann schlägt das Pendel um? Teams wie der FC Lausanne-Sport und der Grasshopper Club Zürich haben so viel "Glücks-Kredit" angesammelt, dass eine Trendwende praktisch unvermeidlich scheint.
Der FC Thun wird seinen märchenhaften Lauf nicht ewig fortsetzen können – 16.5 Punkte Bonus sind selbst für Schweizer Verhältnisse aussergewöhnlich. Und der FC Lugano? 21.5 Punkte über den Expected Points sind ein statistisches Wunder, das früher oder später sein Ende finden muss.
Die ehrlichen Tabellen bleiben geduldig – sie wissen, dass am Ende einer langen Saison meist die Mathematik gewinnt. Bis dahin dürfen wir uns an diesem wunderbaren Chaos erfreuen, das den Schweizer Fussball so unberechenbar macht.