Wenn Vaduz ehrlich verliert und Basel unehrlich gewinnt

Hook-Intro

Neun Spieltage sind gespielt, und die Super League präsentiert sich mal wieder als das, was sie eigentlich immer ist: eine Bühne, auf der die Fussballgötter würfeln, während echte Leistung manchmal nur Zuschauer bleibt. Sechs Partien, sechs kleine Dramen – und am Ende steht der FC Lugano mit 25 Punkten an der Spitze, während der FC St. Gallen mit denselben 13 Zählern wie der FC Basel dasteht, obwohl die Zahlen eine völlig andere Geschichte erzählen. Willkommen zur ehrlichen Tabelle, in der Fortuna diese Woche besonders kreativ war.

Spiel der Woche

Die grösste xG-Diskrepanz des Spieltags liefert das Duell zwischen dem BSC Young Boys und Servette FC in Bern. Die Berner erspielten sich 2.31 xG gegen nur 0.88 des Servette FC – ein Unterschied von satten 1.43. Am Ende hiess es 3:2, ein Ergebnis, das enger aussieht, als es die Statistik hergibt. Der BSC Young Boys hätte diese Partie eigentlich souveräner dominieren müssen, aber Servette leistete zumindest auf dem Papier zwei Tore mehr Widerstand, als ihm die Chancenverwertung eigentlich zugestand.

Fast noch deutlicher war es in Lausanne, wo der FC Lugano mit 2.15 xG gegen bescheidene 0.94 des FC Lausanne-Sport auftrumpfte und das Ergebnis mit einem 4:0 sogar noch übertraf. Wenn die Erwartung schon für eine Klatsche spricht und dann das reale Ergebnis noch heftiger ausfällt, weiss man: Hier stimmten Chancenqualität und Chancenverwertung für einmal überein.

Glückspilz des Spieltags

Der grösste Überflieger der Woche? Der FC Thun. Mit gerade einmal 1.64 erwarteten Toren gegen Vaduz nahm der FC Thun trotzdem alle drei Punkte mit – bei einer erwarteten Punktzahl von nur 1.0 bedeutet das ein Delta von +2. Das Rheinpark Stadion sah ein Spiel, das laut xG deutlich enger hätte enden müssen, aber die Effizienz sprach an diesem Tag für die Gäste.

Auch der FC St. Gallen und der FC Lugano tauchen mit jeweils +0.5 in der Glücksstatistik auf – bei Lugano mittlerweile fast schon Tradition. Die Tessiner führen die offizielle Tabelle mit neun Punkten Vorsprung auf die xP-Tabelle an, was branchenüblich als "wir gewinnen, auch wenn wir nicht die besseren Chancen haben" übersetzt werden darf.

xG-Opfer

Auf der anderen Seite der Glücksskala steht Vaduz. Die Liechtensteiner erspielten sich gegen den FC Thun immerhin 1.77 xG – mehr als der Gegner – gingen aber leer aus und kassierten sogar die Niederlage. Ein Delta von -1 bei einer erwarteten Punktzahl von 1.0, aber null realen Zählern. Das tut weh, besonders wenn man bedenkt, dass Vaduz mit seinen 6 Punkten schon jetzt im Tabellenkeller feststeckt.

Auch Servette FC und der Grasshopper Club Zürich reihen sich mit je -0.5 in die Pechvogel-Liste ein. Für den Grasshopper Club Zürich, der in Luzern trotz 2.08 xG nur ein Tor erzielte und mit 1:5 unterging, ist das nur ein schwacher Trost.

Ehrliche Tabellenlage

Der eigentliche Skandal des Spieltags versteckt sich aber in der grossen Tabelle. Der FC Basel steht offiziell auf Platz 4 mit 13 Punkten – bei einer erwarteten Punktzahl von gerade einmal 8. Eine Differenz von +5 macht den FC Basel zum offiziellen "Biggest Winner" der bisherigen Saison, obwohl die Leistungsdaten eher für einen Platz im unteren Mittelfeld sprechen.

Das komplette Gegenteil erlebt der FC St. Gallen: Mit einer xP von 19.5 wäre der Klub eigentlich der klare Spitzenreiter der ehrlichen Tabelle – tatsächlich steht er aber nur auf Rang 5 mit 13 Punkten. Eine Differenz von -6.5 ist die grösste Diskrepanz der gesamten Liga und macht den FC St. Gallen zum tragischen Helden dieser Spielzeit. Auch der Servette FC (-3) und Grasshopper Club Zürich (-1) dürfen sich zu Recht ungerecht behandelt fühlen.

Der FC Lugano bleibt trotz allem auch in der xP-Tabelle stark – Rang 4 mit 15.5 erwarteten Punkten ist immer noch beachtlich, auch wenn die neun Punkte Differenz zur offiziellen Tabelle zeigen, dass hier gehörig Fortuna mitspielt.

Ausblick

Mit erst neun von 36 Spieltagen ist die Saison noch jung, aber die Muster verfestigen sich bereits. Kann der FC St. Gallen seine Pechsträhne durchbrechen und endlich Punkte einfahren, die seiner Spielweise entsprechen? Wird der FC Basel seine Wundertüten-Form fortsetzen oder holt ihn die Regression zum Mittelwert ein? Und bleibt der FC Lugano der Lieblingsschüler des Zufalls, oder klopft die Realität bald an die Tür in Cornaredo? Die ehrliche Tabelle wird es uns verraten – Spieltag für Spieltag.